Mantren 19+ Kosmische Wesen bezeugen Feuermächte

Seraphisch FeuermächteAus meinem Herzen strahlet ihrCherubinisch BildekräfteIn meinem Haupte scheinet ihrDer Throne TraggewaltenIn meinen Gliedern kraftet ihrMein Ich ist IHR.

Hinweis zu 19+

Sonderspruch ‹Feuermächte› – ‹Mein Ich ist IHR›

Kompakte Antwort auf 19.1: Seraphine, Cherubine, Throne werden in zweiter Person (‹ihr›) angesprochen – Herz, Haupt, Glieder als ihre Stätten von Strahlen, Scheinen, Kraften. Schluss: ‹Mein Ich ist IHR›.

Ein Sonderspruch ausserhalb der überlieferten Klassenstunden-Nachschriften. Er fasst die dreigliedrige Architektur des Geistes-Wort-Mantrams 19.1 in sieben Zeilen zusammen und kehrt die Sprechrichtung um: dort fragt der Hüter in der Ferne und die erste Hierarchie antwortet; hier wendet sich der Mensch unmittelbar an die drei Wesensreihen. ‹Seraphisch Feuermächte / Aus meinem Herzen strahlet ihr; / Cherubinisch Bildekräfte / In meinem Haupte scheinet ihr; / Der Throne Traggewalten / In meinen Gliedern kraftet ihr.› Drei Wesen, drei Tätigkeiten, drei Menschenglieder. Die Schlusszeile ‹Mein Ich ist IHR› – mit grossgeschriebenem IHR – ist das Gegenstück zum dreifachen ‹Es ist Ich›: was 19.1 als Echo aus dem Herzen quellen lässt, ist hier zum unmittelbaren Bekenntnis verdichtet. Eine spätere Arbeitsfassung des Mantrenbüchleins deutet den Spruch so: ‹Der verwandelte, seiner geistigen Umgebung bewusste Mensch, der mit den Göttern fühlt, denkt und handelt.›

  • Stellung im Korpus. Der Spruch ist nicht Teil der nachgeschriebenen Klassenstunden. Er steht auf einem Notizblatt mit Eurythmieform (Archiv-Nr. 6476, B 618), das als Faksimile in GA 268, S. 116/117 wiedergegeben ist; ein kurzer Entwurf befindet sich im Notizbuch 618. Auf Anfrage hat das Rudolf Steiner Archiv mitgeteilt: ‹Es scheint tatsächlich so zu sein, dass dieser Spruch zur letzten Klassenstunde gehört.› Damit gehört er sachlich in den Umkreis der Neunzehnten Stunde (2.8.1924), ohne in der Nachschrift Helene Finckhs zu erscheinen. Der Vorgang erklärt sich aus der Dornacher Praxis: nicht alles, was Steiner für die Klasse aufschrieb, kam in der Stunde selbst zur Sprache; einzelne Mantren entstanden im Umfeld als Notizblätter, oft mit beigegebener Eurythmieform.
  • Architektur und Verhältnis zu 19.1. Das Geistes-Wort-Mantram 19.1 fragt dreimal aus der Ferne – ‹Wer spricht im Geistes-Wort? Was denkt? Was kraftet?› – und lässt die erste Hierarchie antworten: Seraphine im Herzen (Sprechen / Liebe-Quell), Cherubine im Haupte (Denken / Lichtes-Quell), Throne in den Gliedern (Kraften / Lebens-Quell), je mündend in ‹Es ist Ich›. Der Sonderspruch verdichtet diese Architektur auf sechs Zeilen und kehrt die Rede­richtung um: der Mensch wendet sich in der zweiten Person Plural unmittelbar an die drei Wesensreihen. Die Verben verschieben sich entsprechend: ‹strahlet – scheinet – kraftet›; das ‹kraftet› (Throne / Glieder) ist mit 19.1 wortgleich, das ‹leuchten› der Cherubine wird in das menschennähere ‹scheinet›, das ‹flammen› der Seraphine in das menschennähere ‹strahlet› verlegt. Die Schlusszeile ‹Mein Ich ist IHR› bildet das Gegenstück zum dreifachen ‹Es ist Ich›: was dort als Echo aus dem Herzen quillt, ist hier zum unmittelbaren Bekenntnis verdichtet. Das grossgeschriebene IHR ist nicht das alltägliche Pronomen, sondern eine Anrede an die als Du-Gesamtheit gefassten Hierarchien – das wahre Ich, das im Erdenbereich nur Abglanz ist, findet sich, wie es 19.1 vorbereitet, im Reiche der Seraphine, Cherubine und Throne.
  • Entwurfsfassung im Notizbuch 618. Der knappe Entwurf, den das Rudolf Steiner Archiv aus dem Notizbuch mitteilt, lautet: ‹Serafische Feuermächte / Der Cherubine Bildemächte / Der Throne Traggewalten / Sonnen in Weltenweiten / Geister in› Die ersten drei Zeilen halten die Triade der ersten Hierarchie als blosse Reihung fest, ohne Verben und ohne Bezug auf Herz, Haupt und Glieder; die zwei Folgezeilen (‹Sonnen in Weltenweiten / Geister in›) deuten an, dass Steiner zunächst noch andere kosmische Ordnungen einbeziehen wollte und den Spruch erst auf dem Notizblatt zu der schliesslichen, anthropologisch-dreigliedrigen Gestalt verschlossen hat. Das Notizbuch selbst enthält im weiteren Umfeld Notizen zur Karma-Forschung, zu den Archai sowie zu Metallen und ihren Eigenschaften.
  • Überlieferungslage. Die Auskünfte zum Original sind nicht in jedem Punkt deckungsgleich. Das Ita-Wegman-Archiv verweist (mit Hinweis auf GA 268, S. 117 und S. 410) für das Notizblatt auf das Rudolf Steiner Archiv unter Archiv-Nr. 6476, B 618. Eine jüngere Recherche (Johanna Voigt, 2024) hält dagegen fest, dass die ursprüngliche erste Seite des Notizbuchs herausgeschnitten und durch eine Kopie ersetzt wurde; das Original wird in den Unterlagen Erich Kirchners beziehungsweise Margarita Kirchner-Bockholts vermutet. Die editorische Anmerkung in GA 268 (zur Notizbuch-Seite 20/21) zu einem eingenähten Blatt anderen Papiers stellt zusätzlich die Echtheit eines Teils des Geschriebenen in Frage: Steiner schrieb sonst mit lila Bleistift, die fragliche Schrift ist schwarz – obwohl der Schriftduktus seine Handschrift zeige. Die Spruchkartei des Rudolf Steiner Archivs trägt zu diesem Spruch keine weiteren Vermerke. Der Wortlaut der Web-Fassung folgt dem Faksimile in GA 268 (S. 116/117) – so, wie ihn das Mantrenbüchlein (Mantrenwerkstatt Basel 2024) unter ‹19+‹ als Sonderspruch führt.
  • Deutung (Arbeitsfassung). Eine spätere Arbeitsfassung des Mantrenbüchleins fasst die Aussage so: ‹Der verwandelte, seiner geistigen Umgebung bewusste Mensch, der mit den Göttern fühlt, denkt und handelt.› Damit ist die Bewegung der ganzen Ersten Klasse abgeschlossen: vom Drei-Tiere-Mantram, das im Abgrund die Gegenbilder von Denken, Fühlen und Wollen aufdeckt, über die Selbsterkenntnis als Hörer des Weltenworts bis zur Verwandlung, in der Denken, Fühlen und Wollen in den Tätigkeiten der ersten Hierarchie – Cherubine im Haupte, Seraphine im Herzen, Throne in den Gliedern – ihren wahren Träger finden. Der beigegebenen Eurythmieform ist anzusehen, dass dieser Schritt für Steiner nicht nur Rede, sondern Bewegung war: der Spruch will gesprochen, gefühlt und in der Form vollzogen werden.

Mein Ich ist IHR.

Rudolf Steiner, Notizblatt mit Eurythmieform (Archiv-Nr. 6476, B 618), Dornach 1924; Faksimile in GA 268, S. 116/117.

Der verwandelte, seiner geistigen Umgebung bewusste Mensch, der mit den Göttern fühlt, denkt und handelt.

Spätere Arbeitsfassung des Mantrenbüchleins (Berlin/Basel 2024).
GA 268, S. 116 (Notizblatt mit Eurythmieform, Archiv-Nr. 6476, B 618; © Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung). Vorläufiger Bildstand — soll später durch sauberen Scan ersetzt werden.
Varianten und Fassungen

Der Sonderspruch ist in zwei Stufen überliefert: ein knapper Entwurf im Notizbuch 618 (blosse Reihung der ersten Hierarchie ohne Verben, mit zwei zusätzlichen, unvollendeten Zeilen zu ‹Sonnen in Weltenweiten / Geister in›) und die ausgearbeitete Fassung auf einem Notizblatt mit Eurythmieform (sieben Zeilen mit Verben strahlen / scheinen / kraften, Aufgliederung auf Herz / Haupt / Glieder und Schlussvers ‹Mein Ich ist IHR›). Der Wortlaut dieser Web-Ausgabe folgt dem Notizblatt.

  • Entwurf, Notizbuch 618 (Mitteilung Rudolf Steiner Archiv) – Schreibung ‹Serafische›; nur die Triade der ersten Hierarchie als Reihung; keine Verben und kein Bezug auf Herz, Haupt, Glieder; zwei zusätzliche, unvollendete Zeilen (‹Sonnen in Weltenweiten / Geister in›); kein Schlussvers.

    Serafische Feuermächte Der Cherubine Bildemächte Der Throne Traggewalten Sonnen in Weltenweiten Geister in

    Rudolf Steiner Archiv, Notizbuch B 618 (Spruchkartei ohne weitere Hinweise).
  • Notizblatt mit Eurythmieform (Reinfassung – Wortlaut der App) – Sieben Zeilen; Aufgliederung auf die drei Menschenglieder (Herz / Haupt / Glieder); Verben strahlen / scheinen / kraften; Schlussvers ‹Mein Ich ist IHR›. Maßgeblich für die App.

    Seraphisch Feuermächte Aus meinem Herzen strahlet ihr; Cherubinisch Bildekräfte In meinem Haupte scheinet ihr; Der Throne Traggewalten In meinen Gliedern kraftet ihr. Mein Ich ist IHR.

    Notizblatt mit Eurythmieform, Archiv-Nr. 6476, B 618; Faksimile in GA 268, S. 116/117.
Sonderspruch (Notizblatt mit Eurythmieform; ausserhalb der Klassenstunden-Nachschriften) · Dornach · 1924 · GA 268, S. S. 116/117 (Faksimile); editorische Hinweise S. 410

Notizblatt mit Eurythmieform, Archiv-Nr. 6476, B 618; Entwurf im Notizbuch 618. Auf Anfrage hat das Rudolf Steiner Archiv mitgeteilt, dass der Spruch sachlich zur letzten Klassenstunde (2.8.1924) gehört, in der Nachschrift Helene Finckhs aber nicht erscheint.

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