Mantren Zweite Prager Stunde Prag · 1924-04-05 · GA 270c, S. 187–207

Zweite Prager Stunde

Prag · · GA 270c, S. 187–207

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Einleitung – der Mensch ist seinem Wesen nach übersinnlich

Meine lieben Freunde! Vorgestern wurde der erste Teil der Begegnung mit dem
Hüter der Schwelle Geistige Wesenheit, die am Übergang von der Sinneswelt in die geistige Welt steht. Sie stellt prüfende Fragen — die Mantren der Klasse sind oft Frage des Hüters und Antwort der Hierarchien.
mehr Der Hüter ist nicht Hindernis, sondern Mahnender. Er macht den Menschen darauf aufmerksam, daß er, will er die Schwelle übertreten, sein Denken, Fühlen und Wollen verwandeln muß. In den Mantren tritt er sprechend auf: ‹Der Hüter spricht …› — und es antworten Angeloi, Exusiai, Throne und so weiter. In späteren Stunden ‹spricht der Hüter aus der Ferne›, weil der Schüler an ihm vorbeigeschritten ist. GA 270b, Dreizehnte Stunde: ‹Der Hüter der Schwelle stellt die prüfend-mahnende Frage an uns. Die Hierarchien antworten.›
durchgesprochen. Ohne erschütternde Eindrücke der
Selbsterkenntnis Der Ausgangspunkt der Klasse, gefaßt im Wort ‹O Mensch, erkenne dich selbst!› — kein Brüten ins Innere, sondern ‹ausführliches Gespräch mit Welt, Hüter und Hierarchien›.
mehr GA 270b, Zwölfte Stunde.
kommt man nicht an wahre Erkenntnis; was die Sinne und das gewöhnliche Denken liefern, betrifft nur das Aussermenschliche. Der Mensch ist seinem Wesen nach übersinnlich – das sinnlich Wahrnehmbare ist nur sein äusseres Bild.
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Gift und Heilung – das Geistige als Abbaukraft

Ein Beispiel für die Geheimnisse des Daseins: Heilung durch Gift. Geniessbare Pflanzen nehmen nur das Ätherische des durchgeisteten Sonnenlichts auf; nimmt eine Pflanze ein Astralisches auf (Tollkirsche), wird sie Gift. Im Menschen bauen physischer und
Ätherleib Der Lebensleib des Menschen, der über den physischen Leib hinausreicht. In ihm lebt das wirkliche Denken, dessen physischer Abdruck der ‹Schein› unseres gewöhnlichen Denkens ist.
mehr GA 270c, Sechste Wiederholungsstunde.
auf; astralischer Leib und Ich bauen ab und schaffen so Raum für das Geistige. Sind sie zu schwach, entstehen Wucherungen, und Heilung verlangt äussere Giftwirkung. Das Geistige ist ein Schöpferisches, das für die physische Welt ein Zerstörendes (Abbauendes) ist – wer nicht mit den Abbaukräften bekannt werden will, kommt nicht in die geistige Welt.
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Denken (Leichnam), Fühlen (Traum), Wollen (Keim) – ihre Trennung

Im physischen Leib sind Denken, Fühlen und Wollen ein Ganzes und dadurch geschwächt: Denken wach, Fühlen träumend, Wollen schlafend. Vor der Geburt bestand jedes für sich – das konnten wir in der geistigen Welt ertragen. Das irdische Denken ist Leichnam des lebendigen, vorgeburtlichen Denkens, der Leib sein Sarg; das Wollen ist Keim dessen, was nach dem Tode ersteht. Der Esoteriker muss beginnen, Denken, Fühlen und Wollen zu trennen; Anthroposophie gibt den Schutz und die Stärke dazu.
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‹Sieh in dir Gedankenweben …› (frühe Prager Fassung; vgl. App 3.1–3.3)

Sieh in dir Gedankenweben:
Weltenschein erlebest du,
Selbstheitsein verbirgt sich dir;
Tauche unter in den
Schein Die Welt der Sinne, sofern sie als das Eigentliche genommen wird. Der Weg der Klasse geht aus dem ‹Reich der Illusion, im Reiche der Maja› hinüber.
mehr GA 270b, Sechzehnte Stunde.
:
Ätherwesen weht in dir;
Selbstheitsein, es soll verehren
Deines Geistes Führerwesen.
* * *
Vernimm in dir Gefühle-Strömen:
Es mengen Schein und Sein sich dir,
Die Selbstheit neigt dem Scheine sich;
So tauche unter in scheinendes Sein:
Und Welten-Seelenkräfte sind in dir;
Die Selbstheit, sie soll bedenken
Der eignen Seele Lebensmächte.
* * *
Laß walten in dir den Willens-Stoß:
Der steigt aus allem Scheineswesen
Mit Eigensein erschaffend auf;
Ihm wende zu all dein Leben:
Der ist erfüllt von Welten-Geistesmacht;
Dein Eigensein, es soll ergreifen
Weltschöpfermacht im Geistes-Ich.
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Trochäisch · jambisch · spondäisch – verehren/bedenken/ergreifen

Der Hüter mahnt zur Orientierung der drei Seelenkräfte. Das Denken als Schein anerkennen, in den Schein untertauchen, das auftauchende Ätherwesen verehren – trochäisch (Hochton–Tiefton, Herabsteigen vom groben zum intimeren Sein). Im Fühlen mengen sich Schein und Sein; man muss bedenken – jambisch (Tiefton–Hochton, Aufstieg wie auf einen Berg, aus dem Ätherischen ins Astralische). Im Wollen, dem stärksten, aber verschlafenen, ergreifen – spondäisch (Hochton–Hochton, Feuer im Feuer, Willensflamme im Weltenfeuer). Steigerung der Schlüsselworte: verehren – bedenken – ergreifen; Führerwesen – Lebensmächte – Weltschöpfermacht.
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Rückblick – ‹Erst wenn die drei von dir besiegt …› (vgl. App 1.4)

Doch du musst den
Abgrund Der Spalt zwischen Sinneswelt und Geisteswelt, an dem der Hüter steht. Über ihn kann nur das geistig-seelische Wesen schreiten.
mehr Mantram ‹Wo auf Erdengründen …›: ‹Vor ihm breiten sich die Sinnesfelder, / Hinter ihm, da gähnen Abgrundtiefen.›
achten;
Sonst verschlingen seine Tiere
Dich, wenn du an mir vorübereilt'st;
Sie hat deine Weltenzeit in dir
Als
Erkenntnisfeinde Die drei inneren Hindernisse, die der Hüter im Mantram ‹Doch du mußt den Abgrund achten …› benennt: Furcht, Haß, Zweifel.
mehr GA 270a, Erste Stunde.
hingestellt.
Schau das erste Tier, den Rücken krumm,
Knochenhaft das Haupt, von dürrem Leib,
Ganz von stumpfem Blau ist seine Haut;
Deine Furcht vor Geistes-Schöpfer-Sein
Schuf das Ungetüm in deinem Willen;
Dein Erkenntnismut nur überwindet es.
Schau das zweite Tier, es zeigt die Zähne
Im verzerrten Angesicht, es lügt im Spotten,
Gelb mit grauem Einschlag ist sein Leib;
Dein Hass auf Geistes-Offenbarung
Schuf den Schwächling dir im Fühlen;
Dein Erkenntnisfeuer muss ihn zähmen.
Schau das dritte Tier, mit gespaltnem Maul,
Glasig ist sein Auge, schlaff die Haltung,
Schmutzigrot erscheint dir die Gestalt;
Dein Zweifel an Geistes-Licht-Gewalt
Schuf dir dies Gespenst in deinem Denken;
Dem Erkenntnisschaffen muss es weichen.
Erst wenn die drei von dir besiegt,
Werden Flügel deiner Seele wachsen,
Um den Abgrund zu übersetzen,
Der dich trennet vom Erkenntnisfelde,
Dem sich deine Herzenssehnsucht
Heilerstrebend weihen möchte.
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Schlusswiederholung – das Daseinswort

Aus den Weiten der Raumeswesen,
Die im Lichte das Sein erleben,
Aus dem Schritte des Zeitenganges,
Der im Schaffen das Wirken findet,
Aus den Tiefen des Herzempfindens,
Wo im Selbst sich die Welt ergründet:
Da ertönet im Seelensprechen,
Da erleuchtet aus Geistgedanken
Das aus göttlichen Heileskräften
In den Weltengestaltungsmächten
Wellend wirkende Daseinswort:
O, du Mensch, erkenne dich selbst.

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