Sechzehnte Stunde
Einleitung – der Ernst der Schule
Meine lieben Freunde! Da heute wiederum eine grössere Anzahl neu aufgenommener Mitglieder hier ist, sei kurz angedeutet, was der Sinn dieser Schule ist: Sie vermittelt ihre Mitteilungen aus der geistigen Welt herunter; die Zugehörigkeit ist im höchsten Grade etwas Ernstes. Grundbedingung ist, dass jeder, der der Schule angehört, in jeder Einzelheit ein Repräsentant der anthroposophischen Sache vor der Welt ist und für sein Tun den Zusammenhang mit der Leitung der Schule (dem esoterischen Vorstand am Goetheanum) sucht. Die Zugehörigkeit beruht auf Gegenseitigkeit und freiem Abkommen; die Leitung nimmt das Recht in Anspruch, die Mitgliedschaft wieder aufzuheben – seit dem kurzen Bestand der Schule mussten bereits sechzehn Mitglieder für kürzere oder längere Zeit ausgeschlossen werden.
Das Weltenwort – ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das .
Weltenwort
Das schöpferische Wort, das aus dem Weltenall an den Menschen herantönt. Eröffnet jede Klassenstunde mit ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›mehr
Anders als das Menschenwort, in dem Menschendenken spricht, spricht im Geistes-Weltenwort das Weltendenken. Die Seraphine sprechen es als Feuersprache, ‹flammende Stimme›. GA 270b, Sechzehnte Stunde. Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
Rückblick – der Abgrund, der Hüter, die Hierarchien
Wir sind vorgedrungen bis zu den mantrischen Sprüchen, die wir in der esoterischen Situation selbst fühlen: der Mensch sieht die ganze sonnenbeglänzte Naturwelt – nur eine falsche Askese könnte sie verachten –, findet aber nirgends sein eigenes Wesen. Das sonnenbeglänzte Feld ist begrenzt durch eine finstere, nachtbedeckte Wand; dahinter, im des Seins, urständet das wahre Wesen. Am Abgrund steht der , das erste Geistwesen; er bewahrt uns davor, unreif einzutreten (jede Nacht im Schlaf sind wir in dieser Welt, aber als Finsternis um Ich und Astralleib). Auf seine Fragen für Erde, Wasser, Luft antworten die – die dritte ( / / ), die zweite ( / / ), die erste ( / / ).
Abgrund
Der Spalt zwischen Sinneswelt und Geisteswelt, an dem der Hüter steht. Über ihn kann nur das geistig-seelische Wesen schreiten.mehr
Mantram ‹Wo auf Erdengründen …›: ‹Vor ihm breiten sich die Sinnesfelder, / Hinter ihm, da gähnen Abgrundtiefen.›der Hüter
Geistige Wesenheit, die am Übergang von der Sinneswelt in die geistige Welt steht. Sie stellt prüfende Fragen — die Mantren der Klasse sind oft Frage des Hüters und Antwort der Hierarchien.mehr
Der Hüter ist nicht Hindernis, sondern Mahnender. Er macht den Menschen darauf aufmerksam, daß er, will er die Schwelle übertreten, sein Denken, Fühlen und Wollen verwandeln muß. In den Mantren tritt er sprechend auf: ‹Der Hüter spricht …› — und es antworten Angeloi, Exusiai, Throne und so weiter. In späteren Stunden ‹spricht der Hüter aus der Ferne›, weil der Schüler an ihm vorbeigeschritten ist. GA 270b, Dreizehnte Stunde: ‹Der Hüter der Schwelle stellt die prüfend-mahnende Frage an uns. Die Hierarchien antworten.›Schwelle
Der Übergang zwischen Sinneswelt und geistiger Welt. Vor ihr liegt der ‹Abgrund› — die Stütze des physischen Bewußtseins hört auf.mehr
Bevor der Mensch in das Reich der Erkenntnis eintritt, kommt er an einen Abgrund, der sich zunächst als Bodenloses darstellt. Man kann ihn nur übersetzen, wenn einem ‹symbolisch gesprochen Flügel wachsen› — wenn man sich vom Physischen befreit. GA 270b: ‹Dabei bemerkt der Mensch, daß er, bevor er in das Reich der Erkenntnis eintritt, an einen Abgrund kommt …›Hierarchien
Neun geistige Wesensordnungen, in drei Gruppen zu je drei. In den Mantren antworten sie auf die Fragen des Hüters.mehr
Erste Hierarchie (höchste, der Erde am fernsten): Throne, Cherubine, Seraphine. Zweite: Kyriotetes, Dynamis, Exusiai. Dritte (dem Menschen nächste): Archai, Archangeloi, Angeloi. Im Mantram zum Wärmeelement antworten sie chormäßig in Quer-Verbindungen — Angeloi-Exusiai-Throne als ein Chor. GA 270b, Dreizehnte Stunde.Angeloi
‹Engel› — die unterste, dem einzelnen Menschen verbundene Wesensordnung der dritten Hierarchie.mehr
Im Mantram zum Element Erde: ‹Angeloi: Empfinde, wie wir in deinem Denken empfinden.› Der Mensch spricht sein Ich durch das Haupt aus; durch dieses Glied wirken die Angeloi, im Hintergrund die dirigierenden Archangeloi. GA 270b, Zehnte Stunde.Archangeloi
‹Erzengel› — leiten Völker und Zeitalter. Sie sprechen im Mantram zum Element Erde an das Fühlen.mehr
‹Archangeloi: Erlebe, wie wir in deinem Fühlen erleben.›Archai
‹Urkräfte› — höchste Stufe der dritten Hierarchie. Im Mantram an das Wollen gerichtet.mehr
‹Archai: Schaue, wie wir in deinem Wollen schauen.› Im dritten Stadium nach dem Tode arbeiten Archai, Kyriotetes und Seraphine an der Ausarbeitung des Karma: ‹Erbitte dir in ew'gen Wesentaten die Geisterlösermächte.› GA 270b, Vierzehnte Stunde.Exusiai
‹Gewalten› — unterste Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Erkennen.mehr
‹Erkenne Geistes-Welten-Schaffen im Menschen-Körper-Schaffen.›Dynamis
‹Mächte› — mittlere Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Fühlen.mehr
‹Erfühle Geistes-Welten-Leben im Menschen-Körper-Leben.›Kyriotetes
‹Herrschaften› — höchste Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Wollen.mehr
‹Wolle Geistes-Welt-Geschehen im Menschen-Körper-Sein.›Throne
Unterste Stufe der ersten Hierarchie. In den Wolken offenbaren sie ihr ‹Wesen›.mehr
Tafel-Notiz der Dreizehnten Stunde: ‹Wolken — Throne — Wesen›. Sie tragen den ‹Welten-Leib›, in dem das gedankendurchleuchtete Welten-Geisteswort ruht. Im Mantram: ‹Ergreife wissend Innen-Sein in deinem Gottes-Welten-Sein.› GA 270b, Dreizehnte Stunde.Cherubine
Mittlere Stufe der ersten Hierarchie. In den Blitzen zeigen sie nicht sich selbst, sondern ihre ‹Werkzeuge›.mehr
Tafel-Notiz: ‹Blitze — Cherubine — Werkzeuge›. — ‹Erwarme am Innen-Leben in deinem Gottes-Welten-Leben.›Seraphine
Höchste Stufe der ersten Hierarchie. Sie verbergen sich tief in der Weltenhitze und offenbaren sich nur als ‹Schein›.mehr
Tafel-Notiz: ‹Weltenhitze — Seraphine — Schein›. — ‹Erweck' in dir Innen-Licht in deinem Gottes-Welten-Licht.› Die Seraphine sprechen die Feuersprache des Weltenwortes — ‹flammende Stimme›. GA 270b, Sechzehnte Stunde.Das Wärmeelement – der Chor der Hierarchien
Erde, Wasser, Luft wurden den drei Hierarchien zugeordnet. Die Wärme aber durchdringt alles – sie lebt im Erdigen, im Wässrigen, im Luftigen; sie ist das allwaltende Element, und ihr fühlen wir uns ganz intim verbunden (was in uns warm oder kalt ist, sind wir selber). Darum kann beim Wärmeelement nicht eine einzelne Hierarchie sprechen, sondern die Mahnworte der Hierarchien klingen im Chor zusammen: Angeloi/Exusiai/Throne (‹Erwecke dir in Weltenätherweiten die Lebensflammenschrift› – was wir an Gedanken, Gefühlen, Taten vollbracht haben, steht im Weltenäther eingeschrieben), Archangeloi/Dynamis/Cherubine (‹Erschaffe dir in Zeitenwellenkreisen die Seelensühnekräfte› – das rückwärts erlebte Sühne-Stadium nach dem Tode), Archai/Kyriotetes/Seraphine (‹Erbitte dir in ew'gen Wesentaten die Geisterlösermächte› – die -Ausarbeitung im Zusammenwirken mit den Hierarchien).
Karma
Schicksalszusammenhang zwischen den Inkarnationen. Steiner sprach es nach der Stenogramm-Notiz stets als ‹Kärma›.mehr
Im zweiten Stadium nach dem Tod (Mantram ‹Was wird aus des Feuers Reinigung …›) erlebt der Mensch rückwärts, was andere durch ihn erlitten haben — ‹in seiner gerechten Sühne›. Im dritten Stadium arbeiten Archai, Kyriotetes und Seraphine an der Karma-Ausarbeitung. GA 270b, Vierzehnte Stunde.Feuer-Mantram – ‹Was wird aus des Feuers Reinigung› (Chor der drei Hierarchien)
Was wird aus des Feuers Reinigung, die dir das Ich entflammte?
Erwecke dir in Weltenätherweiten die Lebensflammenschrift.
Erschaffe dir in Zeitenwellenkreisen die Seelensühnekräfte.
Erbitte dir in ew'gen Wesentaten die Geisterlösermächte.
Das intime Geheimgespräch im webenden Licht
Was vorher schwarze, nachtbedeckte Finsternis war, ist noch nicht hell, aber überall, wohin wir fühlen, fühlen wir glimmendes Licht. Im webenden, wirkenden Licht wenden wir uns hilfesuchend an den Hüter der Schwelle, der jetzt intimer wird, sich zu uns neigt – es ist, als ob er nicht mehr spräche, sondern uns vertraulich ins Ohr raunte. Auf seine drei leisen Fragen antwortet das Ich nicht stolz, sondern andächtig und demutvoll: ‹Hat verstanden dein Geist?› – ‹Der Weltengeist in mir … mög' erleuchten mein Ich›; ‹Hat begriffen deine Seele?› – ‹Die Weltenseelen in mir … mögen klingend schaffen mein Ich› (die Weltenseelen ratschlagen wie kreisende Sterne eines Planetensystems); ‹Hat erlebt dein Leib?› – ‹Die Weltenkräfte in mir … mögen lenken mir das Ich› (die richtenden Kräfte der ewigen Weltengerechtigkeit, die durch die Reihe der Erdenleben das Karma weben).
Das Geheimgespräch – ‹Hat verstanden dein Geist?› (Geist / Seele / Leib)
Hat verstanden dein Geist?
Der Weltengeist in mir
Er hielt den Atem an
Und seine Gegenwart
Mög' erleuchten mein Ich.
Hat begriffen deine Seele?
Die Weltenseelen in mir
Sie lebten im Sternenrat
Und ihre Harmonien
Mögen klingend schaffen mein Ich.
Hat erlebt dein Leib?
Die Weltenkräfte in mir
Sie richten Menschentaten
Und ihre Wahrspruchworte
Mögen lenken mir das Ich.
Schlusswiederholung – Weltenwort und Geheimgespräch
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
* * *
Was wird aus des Feuers Reinigung, die dir das Ich entflammte?
Erwecke dir in Weltenätherweiten die Lebensflammenschrift.
Erschaffe dir in Zeitenwellenkreisen die Seelensühnekräfte.
Erbitte dir in ew'gen Wesentaten die Geisterlösermächte.
* * *
Hat verstanden dein Geist?
Der Weltengeist in mir
Er hielt den Atem an
Und seine Gegenwart
Mög' erleuchten mein Ich.
Hat begriffen deine Seele?
Die Weltenseelen in mir
Sie lebten im Sternenrat
Und ihre Harmonien
Mögen klingend schaffen mein Ich.
Hat erlebt dein Leib?
Die Weltenkräfte in mir
Sie richten Menschentaten
Und ihre Wahrspruchworte
Mögen lenken mir das Ich.