Mantren Achtzehnte Stunde Dornach · 1924-07-12 · GA 270b, S. 173–191

Achtzehnte Stunde

Dornach · · GA 270b, S. 173–191

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Einleitung

Meine lieben Freunde! Den Ruf nach
Selbsterkenntnis Der Ausgangspunkt der Klasse, gefaßt im Wort ‹O Mensch, erkenne dich selbst!› — kein Brüten ins Innere, sondern ‹ausführliches Gespräch mit Welt, Hüter und Hierarchien›.
mehr GA 270b, Zwölfte Stunde.
, den die Menschenseele vernehmen kann, wenn sie unbefangen auf alle Wesen und Ereignisse hinlauscht, lassen wir wiederum am Ausgangspunkt vorüberziehen – das
Weltenwort Das schöpferische Wort, das aus dem Weltenall an den Menschen herantönt. Eröffnet jede Klassenstunde mit ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›
mehr Anders als das Menschenwort, in dem Menschendenken spricht, spricht im Geistes-Weltenwort das Weltendenken. Die Seraphine sprechen es als Feuersprache, ‹flammende Stimme›. GA 270b, Sechzehnte Stunde.
.
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Das Weltenwort – ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
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Rückblick – das Regenbogen-Mantram der Siebzehnten Stunde

Wir sind bis zu der Unterweisung des Hüters vorgedrungen, in der das vorher Dunkle hell wurde und sein Ruf erklang: ‹Sieh' des Äther-Farbenbogens …› Auf dieses Wort lassen
Angeloi, Archangeloi, Archai Die dem Menschen nächsten Geister: Angeloi, Archangeloi, Archai. Sie antworten auf die Frage nach der ‹Erde Festigkeit›.
mehr Sie führen vom bloßen Empfinden zum Bewußtwerden. ‹Angeloi: Empfinde, wie wir in deinem Denken empfinden. Archangeloi: Erlebe, wie wir in deinem Fühlen erleben. Archai: Schaue, wie wir in deinem Wollen schauen.›
ihre Stimmen ertönen, wenden sich dienend zu
Exusiai, Dynamis, Kyriotetes Exusiai, Dynamis, Kyriotetes. Sie antworten auf die Frage nach des ‹Wassers Bildekraft›.
mehr Sie sind tätig in dem, ‹was uns eigentlich unsere innere Gestaltung gibt›. — ‹Exusiai: Erkenne Geistes-Welten-Schaffen im Menschen-Körper-Schaffen. Dynamis: Erfühle Geistes-Welten-Leben im Menschen-Körper-Leben. Kyriotetes: Wolle Geistes-Welt-Geschehen im Menschen-Körper-Sein.›
, die ihrerseits den Strahlen die schaffende Liebe einverleiben; und die erste Hierarchie wendet sich segnend an den Menschen: ‹Welt ist Ich-wollend Geistes-Wort.› (Das vierstrophige Regenbogen-
Mantram Verdichtete Sprüche, die in den Klassenstunden gesprochen und an die Tafel geschrieben wurden. Sie sind keine Lehrsätze, sondern Meditationssubstanz.
mehr Steiner war es ausdrücklich nicht um das Gedächtnis zu tun: ‹Ich bin es zufrieden, wenn du gar nicht in dein Gedächtnis aufnimmst dasjenige, was ich zu dir spreche.› Die Mantren wirken durch wiederholtes inneres Erleben, nicht durch Lernen. Daher die Bedeutung der Stimmung — ‹Ernstes, Feierliches, Weihevolles›. GA 270a, Vierte Stunde.
der Siebzehnten Stunde wird hier vollständig wiederholt.)
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Wiederholung – Das Regenbogen-Mantram (vgl. Siebzehnte Stunde)

Der
Hüter Geistige Wesenheit, die am Übergang von der Sinneswelt in die geistige Welt steht. Sie stellt prüfende Fragen — die Mantren der Klasse sind oft Frage des Hüters und Antwort der Hierarchien.
mehr Der Hüter ist nicht Hindernis, sondern Mahnender. Er macht den Menschen darauf aufmerksam, daß er, will er die Schwelle übertreten, sein Denken, Fühlen und Wollen verwandeln muß. In den Mantren tritt er sprechend auf: ‹Der Hüter spricht …› — und es antworten Angeloi, Exusiai, Throne und so weiter. In späteren Stunden ‹spricht der Hüter aus der Ferne›, weil der Schüler an ihm vorbeigeschritten ist. GA 270b, Dreizehnte Stunde: ‹Der Hüter der Schwelle stellt die prüfend-mahnende Frage an uns. Die Hierarchien antworten.›
:
Sieh' des Äther-Farbenbogens
Lichtgewalt'ges Rund,
Lass' durch deiner Augen
Lichterschaffene Kraft
Dein Ich den Kreis durchdringen,
Und dann schau von jenseit'ger Warte
Farbenflutend die Weltenschale.
Angeloi ‹Engel› — die unterste, dem einzelnen Menschen verbundene Wesensordnung der dritten Hierarchie.
mehr Im Mantram zum Element Erde: ‹Angeloi: Empfinde, wie wir in deinem Denken empfinden.› Der Mensch spricht sein Ich durch das Haupt aus; durch dieses Glied wirken die Angeloi, im Hintergrund die dirigierenden Archangeloi. GA 270b, Zehnte Stunde.
,
Archangeloi ‹Erzengel› — leiten Völker und Zeitalter. Sie sprechen im Mantram zum Element Erde an das Fühlen.
mehr ‹Archangeloi: Erlebe, wie wir in deinem Fühlen erleben.›
,
Archai ‹Urkräfte› — höchste Stufe der dritten Hierarchie. Im Mantram an das Wollen gerichtet.
mehr ‹Archai: Schaue, wie wir in deinem Wollen schauen.› Im dritten Stadium nach dem Tode arbeiten Archai, Kyriotetes und Seraphine an der Ausarbeitung des Karma: ‹Erbitte dir in ew'gen Wesentaten die Geisterlösermächte.› GA 270b, Vierzehnte Stunde.
:
Empfind' unsrer Gedanken
Farbenatmend Leben
In der Schale Lichtesfluten;
Wir tragen Sinnenschein
In Geistes-Wesensreiche
Und wenden weltdurchdrungen
Uns höhern Geistern dienend zu.
Exusiai ‹Gewalten› — unterste Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Erkennen.
mehr ‹Erkenne Geistes-Welten-Schaffen im Menschen-Körper-Schaffen.›
,
Dynamis ‹Mächte› — mittlere Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Fühlen.
mehr ‹Erfühle Geistes-Welten-Leben im Menschen-Körper-Leben.›
,
Kyriotetes ‹Herrschaften› — höchste Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Wollen.
mehr ‹Wolle Geistes-Welt-Geschehen im Menschen-Körper-Sein.›
:
Euer Empfangenes
Aus totem Sinnenschein Belebtes:
Wir wecken es im Sein;
Wir schenken es den Strahlen,
Die des Stoffes Nichtigkeit
In des Geistes Wesenheit
Liebewebend offenbaren.
Throne, Cherubine, Seraphine Die höchste Hierarchie, der Erde am fernsten: Throne, Cherubine, Seraphine. Sie antworten auf die Frage nach der ‹Lüfte Reizgewalt›.
mehr Sie führen ‹vom bloßen Bewußtwerden zum Selbstbewußtwerden›. In ihrem Bereich erlebt der Mensch das wahre ‹Ich bin›: ‹Wir müssen erst hineinkommen in das Reich der Seraphine, Cherubine und Throne. Dort erst klingt das ‹Ich bin› wahr.›
:
In deinen Willenswelten
Fühl' unser Weltenwirken;
Geist erglänzt im Stoffe,
Wenn wir denkend schaffen;
Geist erschafft im Stoffe,
Wenn wir wollend leben;
Welt ist Ich-wollend Geistes-Wort.
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‹Geist ist› – die grosse Illusion der Naturreiche

Jetzt geht eine Wahrheit auf, die da empfunden wird, wo Geister leben: Geist ist. Wir stehen, leben, weben im Geist. Diese Wahrheit stellt man sich im Bilde vor die Seele: wo Geist ist, ‹Ist› etwas; wo nicht Geist ist, ist ‹Nichts›. Drüben in der
Sinneswelt Die Welt der Sinne, sofern sie als das Eigentliche genommen wird. Der Weg der Klasse geht aus dem ‹Reich der Illusion, im Reiche der Maja› hinüber.
mehr GA 270b, Sechzehnte Stunde.
waren wir zu schwach, das Etwas zu schauen – was übrig blieb, das ‹Nichts›, nannten wir Mineralien, Pflanzen, Tiere: verschiedene Arten des Nichts. Das ist die grosse Illusion. Namen, dem Nichts geweiht, haben wir drüben auf Wesenloses verschwendet; fremde Wesen können sich dieser Namen bemächtigen. Wissen müssen wir, dass wir den Nichtigkeiten Namen geben – dann ziehen wir aus dem Reich der Illusion in das Reich der Wahrheit ein, und heiliger Ernst gegenüber der Wahrheit beginnt in der Seele zu walten.
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Der stumme Hüter – Zeuge des Göttergesprächs

Jetzt schauen wir zurück auf den treuen Hüter. Er spricht nicht mehr; er deutet stumm, wie oben die höheren
Hierarchien Neun geistige Wesensordnungen, in drei Gruppen zu je drei. In den Mantren antworten sie auf die Fragen des Hüters.
mehr Erste Hierarchie (höchste, der Erde am fernsten): Throne, Cherubine, Seraphine. Zweite: Kyriotetes, Dynamis, Exusiai. Dritte (dem Menschen nächste): Archai, Archangeloi, Angeloi. Im Mantram zum Wärmeelement antworten sie chormäßig in Quer-Verbindungen — Angeloi-Exusiai-Throne als ein Chor. GA 270b, Dreizehnte Stunde.
miteinander sprechen. Was unten Mineralien, Pflanzen, Wolken, Berge, Quellen, Blitze, Sterne waren, ist jenseits des Abgrundes stumm – jetzt sind wir Zeuge, wie die Götter miteinander sprechen. Aus ihrer Sorge um die Führung der Menschenseelen lassen die Angeloi, Archangeloi, Archai ihr Wort ertönen und erbitten von der zweiten Hierarchie, was sie für das Denken, Fühlen, Wollen der Menschen brauchen.
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Das Göttergespräch – ‹Es denken die Menschenwesen› (dritte Hierarchie ↔ zweite Hierarchie)

Angeloi:
Es denken die Menschenwesen!
Wir brauchen das Licht der Höhen,
Daß wir im Denken leuchten können.
Dynamis:
Empfanget das Licht der Höhen,
Daß ihr im Denken leuchten könnt,
Wenn Menschenwesen denken.
Archangeloi:
Es fühlen die Menschenwesen!
Wir brauchen die Seelenwärme,
Daß wir im Fühlen leben können.
Kyriotetes und Exusiai:
Empfanget die Seelenwärme,
Daß ihr im Fühlen leben könnt,
Wenn Menschenwesen fühlen.
Archai:
Es wollen die Menschenwesen!
Wir brauchen die Tiefenkraft,
Daß wir im Wollen wirken können.
Kyriotetes, Dynamis und Exusiai:
Empfanget die Tiefenkraft,
Daß ihr im Wollen wirken könnt,
Wenn Menschenwesen wollen.
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Licht der Höhen, Seelenwärme, Tiefenkraft – die esoterischen Schulen

Drei Sorgenworte, je mit Antwort der zweiten Hierarchie: Die Angeloi (‹Es denken die Menschenwesen! Wir brauchen das Licht der Höhen …›) wenden sich an die Dynamis (‹Empfanget das Licht der Höhen …›); was die Angeloi empfangen, leuchtet ungewusst im menschlichen Denken. Die Archangeloi (‹Es fühlen die Menschenwesen! … Seelenwärme›) wenden sich an Kyriotetes und Exusiai (zwei Chöre, darum mächtigere Stimme). Die Archai (‹Es wollen die Menschenwesen! … Tiefenkraft›) wenden sich an alle drei Wesensarten der zweiten Hierarchie zugleich – Kyriotetes, Dynamis, Exusiai als ein Chor aus drei Chören. Das ist die Welt, bestehend in den heiligen Schöpferworten.
Frühere Menschen lebten von Erinnerungen an das vorirdische Dasein, die Initiierten erklärten den Zusammenhang. Heute ist diese Erinnerung erloschen; statt ihrer muss durch die Initiationswissenschaft dem gelauscht werden, was die Götter hinter dem sinnlichen Dasein sprechen. Wer dies in den esoterischen Schulen gehört hat, wird die Worte nach dem Tode wieder klingen und verstehen; wer dumpf dagegen war, hört drüben nur unverständliches Weltengeräusch – ein ‹Tod der Seele im Geisterland›, vor dem Evangelium und Paulus warnen.
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Die drei Tafeln – die innere Dramatik der Selbsterkenntnis

Zum Schluss die innere Dramatik der Selbsterkenntnis als Zusammenschau dreier
Tafeln Die schwarzen Wandtafeln, an die Steiner die Mantren schrieb und Zeichnungen entwarf. Was an der Tafel stand, gilt als verbindlicher Wortlaut.
mehr Seit 1919 wurde schwarzes Papier über die Wandtafel gespannt, damit die Zeichnungen aufbewahrt werden konnten. Für die Dornacher Klassenstunden gibt es ab der zweiten Stunde jeweils zwei Tafeln; in der ersten Stunde wurde noch nicht angeschrieben. Die Originale befinden sich im Goetheanum. GA 270a, Hinweise: ‹Für den Wortlaut der Mantren standen folgende Unterlagen zur Verfügung. Erstens: die Tafeln mit den Texten und Zeichnungen, wie sie während der Stunden entstanden sind.›
. Erste Tafel (lange vor dem
Abgrund Der Spalt zwischen Sinneswelt und Geisteswelt, an dem der Hüter steht. Über ihn kann nur das geistig-seelische Wesen schreiten.
mehr Mantram ‹Wo auf Erdengründen …›: ‹Vor ihm breiten sich die Sinnesfelder, / Hinter ihm, da gähnen Abgrundtiefen.›
): das Weltenwort ‹O Mensch, erkenne dich selbst!› Zweite Tafel (am Hüter): ‹Erkenne erst den ernsten Hüter …› Drittes (jenseits, das Göttergespräch): ‹Es denken / fühlen / wollen die Menschenwesen … Empfanget das Licht der Höhen / die Seelenwärme / die Tiefenkraft.› Und herüber in die Sinneswelt geblickt, erklingt das Christus-Gegenwort ‹Ich trat in diese Sinnes-Welt … und erkenne mich im Weltenwerden.›
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Zweite Tafel – Das Hüter-Wort (vgl. Dreizehnte Stunde)

Erkenne erst den ernsten Hüter,
Der vor des Geisterlandes Pforten steht,
Den Einlaß deiner Sinnenkraft
Und deines Verstandes Macht verwehrend,
Weil du im Sinnesweben
Und im Gedankenbilden
Aus Raumeswesenlosigkeit,
Aus Zeiten Truggewalten
Des eignen Wesens Wahrheit
Dir kraftvoll erst erobern mußt.
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Das Christus-Gegenwort – ‹Ich trat in diese Sinnes-Welt› (vgl. Dreizehnte Stunde)

Ich trat in diese Sinnes-Welt,
Des Denkens Erbe mit mir führend,
Eines Gottes Kraft hat mich hereingeführt.
Der Tod, er steht an des Weges Ende.
Ich will des Christus Wesen fühlen.
Es weckt in Stoffes-Sterben Geist-Geburt.
Im Geiste find' ich so die Welt
Und erkenne mich im Weltenwerden.
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Erste Tafel – Das Weltenwort (Zusammenschau)

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.

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