Zweite Stunde
Einleitung – Rekapitulation
Meine lieben Freunde! Wir wollen heute anknüpfen an dasjenige, was in der vorigen Stunde gesagt worden ist, zum Teil deshalb, weil der Zusammenhang gewahrt werden soll, zum Teil aber auch deshalb, weil ja neue Mitglieder, oder wenigstens Mitglieder, die das vorige Mal nicht hier waren, heute auch mit hier versammelt sind. Es soll daher beginnen die heutige Stunde mit einer kurzen Rekapitulation desjenigen, was wir in der vorigen Stunde vor unsere Seele hingestellt haben.
Wir haben uns hinbegeben im Gedanken an diejenige Stätte, wo der Mensch – der ja im gewöhnlichen Leben und für das gewöhnliche Bewusstsein um sich herum die sinnliche Welt hat, die er mit dem Verstand erfassen kann –, wo der Mensch sich fühlen kann gegenüber dem Übersinnlichen, gegenüber demjenigen aber, das verwandt ist, eines Wesens ist mit seinem eigenen Wesen. Und diese Stimmungen wollen wir zunächst ausbilden, bevor wir an die Mysterien des Geisteslebens herantreten, was wir ja in der nächsten Zeit tun wollen.
Eine erste Stimmung, sie sollte uns zum Bewusstsein bringen, wie der Mensch mit seiner gewöhnlichen Seelenverfassung um sich herum hat die Welt der Sinne, die aber durchaus nicht dasjenige ihm gibt, das eins ist mit seinem eigenen Wesen. Und wenn mit einem gewissen Rechte herantönt an den Menschen durch alle Zeiten, auffordernd ihn zu seiner edelsten Tätigkeit, das Wort ‹Erkenne dich selbst!›, dann ist es so, dass der Mensch keine Antwort, keine Befriedigung finden kann, wenn er unter dem Eindrucke des Wortes ‹Erkenne dich selbst!› nur hinblickt auf dasjenige, was vor seinen Sinnen sich ausbreitet, was Inhalt ist der außermenschlichen Welt. Und der Mensch wird hingewiesen auf etwas anderes, als in dieser , als in dieser außermenschlichen Welt ist.
Sinneswelt
Die Welt der Sinne, sofern sie als das Eigentliche genommen wird. Der Weg der Klasse geht aus dem ‹Reich der Illusion, im Reiche der Maja› hinüber.mehr
GA 270b, Sechzehnte Stunde. Wenn wir gegenüber dieser Empfindung, die der Mensch haben kann, wenn er mit der Frage nach seiner eigenen Wesenheit auf die Weiten des Weltendaseins hinblickt, wenn wir mit dieser Empfindung herantreten im Gedanken an das übersinnliche Dasein, das eins ist mit der inneren Menschenwesenheit, dann wird uns die entsprechende Stimmung wiedergegeben mit den Worten, die ich schon das letzte Mal vor Ihre Seele hingestellt habe:
Erste Stimmung – ‹Wo auf Erdengründen …›
Wo auf Erdengründen, Farb' an Farbe,
Sich das Leben schaffend offenbart;
Wo aus Erdenstoffen, Form an Form,
Sich das Lebenslose ausgestaltet;
Wo erfühlende Wesen, willenskräftig,
Sich am eignen Dasein freudig wärmen;
Wo du selbst, o Mensch, das Leibessein
Dir aus Erd' und Luft und Licht erwirbst:
Da betrittst du deines Eigenwesens
Tiefe, nachtbedeckte, kalte Finsternis;
Du erfragest im Dunkel der Weiten
Nimmer, wer du bist und warst und werdest.
Für dein Eigensein finstert der Tag
Sich zur Seelennacht, zum Geistesdunkel;
Und du wendest seelensorgend dich
An das Licht, das aus Finsternissen kraftet.
Wir haben vor uns, fühlend in unserer Seele, jene Empfindung, die uns vergegenwärtigt, wie wir zwar die Schönheit, die Größe, die Erhabenheit der außermenschlichen Welt empfinden können, wie wir alles außermenschliche Große, Erhabene und Schöne in dieser Welt erschauen können, wie wir aber gerade in dieser Welt unser eigenes Wesen niemals finden können. Es ist für den Menschen, der nach dem Geiste strebt, notwendig, immer wieder und wiederum diese Stimmung sich vor die Seele zu rücken. Denn das Erleben dieser Stimmung, das tiefe Erleben dessen, dass wir in die Welt hinausblicken, die außermenschlich ist, und diese Welt uns keine Antwort gibt auf die Frage, was wir selber sind, diese Empfindung immer wieder und wiederum entsprechend vor die Seele gerückt, das kraftet herauf aus der Seele diejenigen Impulse, welche uns hinauftragen können in die geistige Welt. Gerade aber weil wir so empfinden, dass wir durch solche Stimmungen hinaufgetragen werden in die geistige Welt, müssen wir auch uns vor die Seele rücken, wie der Mensch im gewöhnlichen Bewusstsein, im gewöhnlichen Leben unvorbereitet ist, vor diejenige Welt hinzutreten, die eigentlich die Welt seines eigenen Wesens ist.
Deshalb steht an der Grenze, die da ist zwischen der Sinneswelt und der geistigen Welt, jener , der mit seinem Ernst Menschen warnt davor, unvorbereitet in die geistige Welt hinüberzuwollen. Und wiederum ist es so, meine Lieben, dass wir müssen diese Tatsache, dass vor der geistigen Welt zum eigenen Heile der unvorbereiteten Menschen der Hüter steht – wir werden ihn immer mehr kennenlernen in der nächsten Zeit –, wiederum ist es so, dass wir müssen diese Stimmung von Zeit zu Zeit immer wieder in uns rege machen, damit wir das Gefühl bekommen des Hintretens vor diesen Hüter und uns so recht klarmachen: es gehört eine bestimmte Seelenverfassung dazu, um wirkliche Erkenntnis, wirkliche Einsicht zu erwerben.
Hüter
Geistige Wesenheit, die am Übergang von der Sinneswelt in die geistige Welt steht. Sie stellt prüfende Fragen — die Mantren der Klasse sind oft Frage des Hüters und Antwort der Hierarchien.mehr
Der Hüter ist nicht Hindernis, sondern Mahnender. Er macht den Menschen darauf aufmerksam, daß er, will er die Schwelle übertreten, sein Denken, Fühlen und Wollen verwandeln muß. In den Mantren tritt er sprechend auf: ‹Der Hüter spricht …› — und es antworten Angeloi, Exusiai, Throne und so weiter. In späteren Stunden ‹spricht der Hüter aus der Ferne›, weil der Schüler an ihm vorbeigeschritten ist. GA 270b, Dreizehnte Stunde: ‹Der Hüter der Schwelle stellt die prüfend-mahnende Frage an uns. Die Hierarchien antworten.› Wenn die Einsicht, die in der heutigen materialistischen Zeit allen Menschen, ich möchte sagen, auf der Straße zugetragen wird, wenn diese wirkliche Erkenntnis würde beim Menschen, so wäre es schlimm, denn er empfängt sie eben unvorbereitet. Er empfängt sie nicht in derjenigen Stimmung, die ja sein muss die vorbereitende Erkenntnisstimmung. Deshalb ist es so, dass wir uns recht innig auch die zweite Stimmung vor die Seele rücken müssen, die uns immer wieder und wiederum davon spricht, wie wir vor den Hüter hintreten müssen:
Zweite Stimmung – Der Geistesbote
Und aus Finsternissen hellet sich
– Dich im Ebenbilde offenbarend,
Doch zum Gleichnis auch dich bildend,
Ernstes Geisteswort im Weltenäther,
Deinem Herzen hörbar, kraftvoll wirkend –
Dir der Geistesbote, der allein
Dir den Weg erleuchten kann;
Vor ihm breiten sich die Sinnesfelder,
Hinter ihm, da gähnen Abgrundtiefen.
Und vor seinen finstern Geistesfeldern,
Dicht am gähnenden des Seins,
Abgrund
Der Spalt zwischen Sinneswelt und Geisteswelt, an dem der Hüter steht. Über ihn kann nur das geistig-seelische Wesen schreiten.mehr
Mantram ‹Wo auf Erdengründen …›: ‹Vor ihm breiten sich die Sinnesfelder, / Hinter ihm, da gähnen Abgrundtiefen.› Da ertönt sein urgewaltig Schöpferwort:
Sieh, ich bin der Erkenntnis einzig Tor.
Und dann spricht der Hüter selbst, indem er zunächst, während wir noch hüben stehen in den Sinnesfeldern, hinüberweist in dasjenige Gebiet, wo noch für uns, wenn wir hüben stehen, waltet undurchdringliche Finsternis, indem er hineinweist in diese Finsternis, die aber Helligkeit werden soll, die sich hellen muss vor uns durch Geist-Erkenntnis, aus der er zunächst nur selbst sich heraus erhellt, da spricht er, hinweisend auf diese scheinbare Finsternis, auf diese Maja-Finsternis, da spricht er:
Drittes Mantram – Das Daseinswort
Aus den Weiten der Raumeswesen,
Die im Lichte das Sein erleben,
Aus dem Schritte des Zeitenganges,
Der im Schaffen das Wirken findet,
Aus den Tiefen des Herzempfindens,
Wo im Selbst sich die Welt ergründet:
Da ertönet im Seelensprechen,
Da erleuchtet aus Geistgedanken
Das aus göttlichen Heileskräften
In den Weltengestaltungsmächten
Wellend wirkende Daseinswort:
O, du Mensch, erkenne dich selbst.
Wer das Wort, das da aus dem Munde des Hüters ertönt, tief genug empfinden kann, der wird gewahr, wenn er auf sich selbst zurückblickt, wie das Zurückblicken, das Wahrnehmen im Zurückblicken eine erste wird, Selbsterkenntnis noch, die vorbereitend ist für den wirklichen Eintritt in die wahre, in die rechte Selbsterkenntnis, in diejenige Selbsterkenntnis, die uns enthüllt geistige Welterkenntnis desjenigen Wesens, das eins ist mit unserem eigenen Menschenwesen. Und da steigen die Erkenntnisse auf, die man noch gewinnen kann diesseits der zum geistigen Dasein, da steigen die Erkenntnisse auf, welche die Unreinigkeiten des eigenen Denkens, Fühlens und Wollens im zwar furchtbaren, aber wahren Abbilde zeigen; als drei aus dem Abgrunde – aus dem gähnenden Abgrunde, der sich senkt zwischen Sinneswelt und Geisteswelt –, aus dem gähnenden Abgrunde aufsteigende Tiere zeigen.
Selbsterkenntnis
Der Ausgangspunkt der Klasse, gefaßt im Wort ‹O Mensch, erkenne dich selbst!› — kein Brüten ins Innere, sondern ‹ausführliches Gespräch mit Welt, Hüter und Hierarchien›.mehr
GA 270b, Zwölfte Stunde.Schwelle
Der Übergang zwischen Sinneswelt und geistiger Welt. Vor ihr liegt der ‹Abgrund› — die Stütze des physischen Bewußtseins hört auf.mehr
Bevor der Mensch in das Reich der Erkenntnis eintritt, kommt er an einen Abgrund, der sich zunächst als Bodenloses darstellt. Man kann ihn nur übersetzen, wenn einem ‹symbolisch gesprochen Flügel wachsen› — wenn man sich vom Physischen befreit. GA 270b: ‹Dabei bemerkt der Mensch, daß er, bevor er in das Reich der Erkenntnis eintritt, an einen Abgrund kommt …› Dasjenige, was wir fühlen sollen am Abgrunde des Seins zwischen der Maja, dem Schein, und dem Sein der wirklichen Welt, das soll uns die vierte Stimmung vor die Seele stellen:
Vierte Stimmung – Die drei Tiere
Doch du musst den Abgrund achten;
Sonst verschlingen seine Tiere
Dich, wenn du an mir vorübereilt'st;
Sie hat deine Weltenzeit in dir
Als hingestellt.
Erkenntnisfeinde
Die drei inneren Hindernisse, die der Hüter im Mantram ‹Doch du mußt den Abgrund achten …› benennt: Furcht, Haß, Zweifel.mehr
GA 270a, Erste Stunde. Schau das erste Tier, den Rücken krumm,
Knochenhaft das Haupt, von dürrem Leib,
Ganz von stumpfem Blau ist seine Haut;
Deine Furcht vor Geistes-Schöpfer-Sein
Schuf das Ungetüm in deinem Willen;
Dein Erkenntnismut nur überwindet es.
Schau das zweite Tier, es zeigt die Zähne
Im verzerrten Angesicht, es lügt im Spotten,
Gelb mit grauem Einschlag ist sein Leib;
Dein Hass auf Geistes-Offenbarung
Schuf den Schwächling dir im Fühlen;
Dein Erkenntnisfeuer muss ihn zähmen.
Schau das dritte Tier, mit gespaltnem Maul,
Glasig ist sein Auge, schlaff die Haltung,
Schmutzigrot erscheint dir die Gestalt;
Dein Zweifel an Geistes-Licht-Gewalt
Schuf dir dies Gespenst in deinem Denken;
Dem Erkenntnisschaffen muss es weichen.
Erst wenn die drei von dir besiegt,
Werden Flügel deiner Seele wachsen,
Um den Abgrund zu übersetzen,
Der dich trennet vom Erkenntnisfelde,
Dem sich deine Herzenssehnsucht
Heilerstrebend weihen möchte.
Erstes Tier – Erkenntnisfeigheit / Erkenntnismut
Man muss, meine Lieben, sich klar vor die Seele stellen, dass zunächst nicht der Erkenntnismut in der Seele waltet, sondern dass im weitesten Umfange die Erkenntnisfeigheit in der Seele waltet, jene Erkenntnisfeigheit, die ja die meisten Menschen gerade in diesem Zeitalter so sehr davon abhält, überhaupt heranzutreten an die Einsicht in die geistige Welt.
Zweites Tier – das schwache Fühlen / Erkenntnisfeuer
Das ist das zweite, das wir in uns tragen, das alle Zweifel in unsere Seele senkt, jede Art von Gefühlen der Ungewissheit gegenüber der geistigen Welt in unserer Seele aufpflanzt. Das liegt im Fühlen, weil das Fühlen schwach ist, weil das Fühlen sich nicht aufschwingen kann zur Begeisterung, zum Enthusiasmus. Wahre Erkenntnis muss zwar hinaus sein über den äußeren niederen Enthusiasmus, der an allem möglichen äußeren Leben sich hinaufrankt. Ein billiges Hinaufranken! Der innere Enthusiasmus, das innere Feuer, das Erkenntnisfeuer wird, das ist dasjenige, was das zweite Tier besiegt.
Drittes Tier – schaffendes Denken
Wir müssen den Mut und das Feuer finden, Aktivität in unser Denken zu bringen. Wenn wir im gewöhnlichen Bewusstsein schaffen, schaffen wir die Willkür, schaffen wir dasjenige, was nicht wirklich ist. Wenn wir uns in der entsprechenden Weise zum schaffenden Denken vorbereiten, strömt in unser schaffendes Denken die geistige Welt ein. Und dann gebären wir aus Erkenntnismut, aus Erkenntnisfeuer und aus Erkenntnisschaffen das wirkliche Drinnenstehen in der geistigen Welt.
Der absolute Ernst des Geistesstrebens / Weihnachtsimpuls
Diese Stimmungen, sie können uns tragen so weit, dass wir in der rechten Weise fühlen, was wir als Mensch in uns rege machen sollen, damit wir als rechter Mensch, als wahrer Mensch, als wirklich lebendiger Mensch in die geistige Welt eintreten. Es ist ja schon so, dass im gewöhnlichen Leben der Mensch oftmals an den banalsten Dingen empfindet, dass das Leben eben ernst ist und kein Spiel. Doch dasjenige, was zur Erkenntnis führen soll, das drückt nicht so stark als das äußere Leben; das wird eben in der Seele rege gemacht. Mit dem treibt man nur allzuleicht ein Spiel. Und man redet sich wohl von dem Spiele selbst ein, dass es ernst ist. Aber man schadet sich und den anderen Menschen ungeheuer, wenn man das Geistesstreben zum Spiel macht, wenn man nur im geringsten eben mit dem Geistesstreben nicht den absolutesten Ernst verbindet.
Dieser Ernst braucht ja nicht darinnen zu bestehen, dass er in Sentimentalität sich offenbaren will. Das ist nicht das Nötige. Es kann der Ernst gewissen Zusammenhängen des Lebens gegenüber durchaus den Humor notwendig machen. Aber dann muss der Humor eben seriös sein. Dasjenige, was hier als Ernst und Spiel einander gegenübergestellt wird, ist nicht die Sentimentalität, die falsche Frömmigkeit, der unwahre Augenaufschlag gegenüber dem Spiel, sondern es ist die Möglichkeit, wirklich aufzugehen in dem Geistesstreben und stetig, ausdauernd, haltbar in diesem Geistesstreben zu leben.
Um das Gewicht der Worte, die ich jetzt spreche, meine Lieben, so recht zu empfinden, wird es gut sein, wirklich gut sein für das Erkenntnisstreben, wenn all die Freunde, die hier sitzen, namentlich auch diejenigen, die schon länger in der Anthroposophischen Gesellschaft sind, sich einmal die folgende Frage vorlegen: Wie oft habe ich mir vorgenommen, dies oder jenes als Aufgabe des anthroposophischen Lebens zu tun, und wie oft habe ich nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr daran gedacht? Vielleicht hätte ich's getan, wenn ich daran gedacht hätte, aber ich habe nicht mehr daran gedacht. Es ist ausgelöscht, wie ein Traum ausgelöscht ist aus meinem Leben.
Es ist nicht unbedeutend und unwichtig, sich gerade eine solche Frage vorzulegen. Und vielleicht könnte es gar nicht unwichtig sein, wenn eine größere Anzahl unserer Freunde etwas ganz Aktuelles vor die Seele hinstellen wollten.
Die Weihnachtstagung sollte beginnen, reale Esoterik in die ganze anthroposophische Weltanschauungsströmung, wie sie getragen wird von der Anthroposophischen Gesellschaft, hineinzugießen. Wie oftmals – so könnten sich viele fragen – habe ich dasjenige, was ich ganz gewiss während der Weihnachtstagung empfunden habe als etwas Schönes, nachträglich vergessen und bin in meinen Gedanken, in meinen Empfindungen so gewesen, als wenn die Anthroposophische Gesellschaft so fortgehen sollte, wie sie vor Weihnachten war. Und wenn einzelne vielleicht sich sagen, das ist bei mir nicht der Fall, so könnte es gerade bei diesen sehr notwendig sein, dass sie sich die Frage stellen: Täusche ich mich denn nicht darüber, dass es bei mir nicht der Fall ist? Habe ich in allem, was anthroposophisches Handeln betrifft, wirklich darauf gesehen, dass mit Weihnachten eine neue Phase der Anthroposophischen Gesellschaft beginnen soll? Diese Frage gerade als Erkenntnisfrage zu stellen, ist von einer ganz besonderen Bedeutung. Dann wird der rechte Ernst in die Seelen einziehen.
Und sehen Sie, es ist gut, wenn so etwas, was mit dem Lebensnerv der Anthroposophischen Gesellschaft zusammenhängen soll und was deshalb auch mit dem Lebensnerv eines jeden Mitgliedes, das die Aufnahme in die Klasse angesucht hat, zusammenhängen soll, es ist nötig, dass so etwas sich anfügt an irgend etwas, das einen starken Einschlag im Leben bildet. Daher wäre es gut, wenn jeder einzelne, der der Klasse angehören will, sich sagte: Gibt es nicht für mich etwas, was ich tun kann – jetzt nachdem die Anthroposophische Gesellschaft neu begründet worden ist – anders als ich früher die Dinge getan habe? Könnte ich nicht etwas Neues einführen in mein Leben als Anthroposoph? Könnte ich nicht abändern die Art, wie ich früher gewirkt habe, dadurch dass ich irgendein einzelnes Neues einfüge?
Das würde von einer riesengroßen Bedeutung sein, wenn es ernst genommen würde, für jeden einzelnen, der der Klasse angehört. Denn dadurch würde die Möglichkeit herbeigeführt werden, meine Lieben, dass diese Klasse ohne die belastenden Schwergewichte fortarbeiten könnte. Denn ein jeder, der den alten Schlendrian weiterführt, belastet ja den entsprechenden Fortgang der Klasse. Das merkt man sonst nicht, aber wahr ist es doch. Im esoterischen Leben gibt es keine Möglichkeit, dasjenige herbeizuführen, was sonst im Leben so herrschend ist: die Lüge als Wahrheit umzudeuten. Wenn man das tut im esoterischen Leben, so wirkt nicht das Umgedeutete, sondern es wirkt die Wahrheit. Im esoterischen Leben wirkt nichts anderes als die Wahrheit. Sie können aus Eitelkeit irgend etwas färben, und das Gefärbte macht keinen Eindruck auf die geistige Welt. Das Ungefärbte, die ungefärbte Wahrheit, die ist das Wirksame in der geistigen Welt.
Sie können daran ermessen, wie verschieden die geistigen Realitäten sind – die unter der Oberfläche des Daseins ja auch heute wie immer wirken – von demjenigen, was, als aus so vielen Lebenslügen heute zusammengeflickt, das äußere Leben darstellt. Es ist ja heute ungemein wenig wahr von demjenigen, was zwischen Menschen lebt. Und sich das immer wieder und wiederum vor die Seele zu rücken, das gehört eben zum Anfange des Strebens innerhalb dieses Klassenlebens. Denn nur aus der Stimmung, die also sich bildet, können wir die innere Kraft finden, mitzutun in demjenigen, was hier in der Klasse von Stunde zu Stunde sich immer mehr entwickeln wird, immer mehr und mehr entrollen wird vor unseren Seelen, damit wir den Weg finden in die geistigen Welten hinein.
Das Denken als Leichnam
Dann erst werden wir aufmerksam werden können, was unserem Denken, Fühlen und Wollen einverpflanzt werden muss, damit das Denken das Denkgespenst, das Fühlen den Spötter, das Wollen den Knochengeist, das heißt die drei Tiere, besiege. Denn diese drei Tiere sind unsere eigenen Erkenntnisfeinde. Sie treten uns im Spiegel, aber als Realitäten, aus dem gähnenden Abgrund des Seins entgegen.
Und tief mit unserem Menschenwesen verwurzelt ist alles dasjenige, was uns am wirklichen Erkennen hindert, zunächst im Denken. Das gewöhnliche menschliche Denken spiegelt sich in dem Denkgespenst des dritten Tieres, in jenem dritten Tiere, das seiner Gestalt nach ja geschildert war.
Das ist das Abbild des gewöhnlichen Menschendenkens, jenes Menschendenkens, das denkt über die Dinge der äußeren Welt und nicht gewahr wird, dass dieses Denken über die Dinge der äußeren Welt ein Leichnam ist. Wo hat das Wesen gelebt, dessen Leichnam dieses gewöhnliche Denken ist?
Ja, meine Lieben, indem wir heute – unserer gegenwärtigen Menschheitszivilisation, das heißt unserer Weltenzeit gemäß – vom Morgen, vom Aufwachen, bis zum Abend, zum Einschlafen denken, denken nach der Anleitung, die uns heute gegeben wird aus den Schulen und aus dem Leben, denken wir, indem unser Denken ein Leichnam ist. Tot ist das Denken. Wann hat es gelebt und wo hat es gelebt?
Es hat gelebt, bevor wir geboren worden sind, es hat gelebt, als unsere Seele im vorirdischen Dasein war. Geradeso wie Sie sich vorzustellen haben, meine Lieben, dass der Mensch auf der physischen Erde lebt, sich in seinem physischen Leibe drinnen regt sein Seelenwesen, und er herumgeht in diesem physischen Leibe, der regsam ist durch sein Seelenwesen bis zum Tode, dann aber unsichtbar wird für den äußeren Anblick das regsame Seelenwesen, und sichtbar dableibt der Leichnam, der tot, die tote Gestalt ist der lebendigen Menschengestalt während des Lebens, so müssen Sie sich vorstellen, dass lebte das Denken. Ein lebendiges, organisches, wachsendes, webendes, wesendes Dasein hatte es, bevor der Mensch ins irdische Dasein eingetreten ist. Dann wird es Leichnam, wird im Grabe unseres eigenen Kopfes, unseres eigenen Gehirnes begraben. Und geradeso, wie wenn ein Leichnam im Grabe behaupten wollte: ich bin der Mensch, – so ist unser Denken, wenn es im Gehirn als Leichnam begraben liegt und über die äußeren Dinge der Welt nun nachdenkt. Es ist Leichnam. Es ist vielleicht niederdrückend für den Menschen, dass es Leichnam ist, aber es ist wahr, und an die Wahrheit muss sich esoterische Erkenntnis halten.
Das aber liegt in der Fortsetzung der Rede des Hüters der Schwelle. Denn nachdem er die Mahnung von den drei Tieren vor unsere Seele hingestellt hat, da spricht er weiter. Und die Worte, die nun an unser Herz tönen, sind diese:
Hüterspruch – Des dritten Tieres glasig Auge
Des dritten Tieres glasig Auge,
Es ist das böse Gegenbild
Des Denkens, das in dir sich selbst
Verleugnet und den Tod sich wählet,
Absagend Geistgewalten, die es
Vor seinem Erdenleben geistig
In Geistesfeldern lebend hielten.
Das Denken, mit dem wir so vieles zu leisten haben hier im Sinnesfelde, es ist vor den Göttern der Welt der Leichnam unseres Seelenwesens. Wir sind, indem wir die Erde betreten haben, in unserer Erdenzeit erstorben in dem Denken. Der Tod des Denkens bereitete sich allmählich vor seit dem Jahre 333 der nachchristlichen Zeit. Von dieser Mitte der vierten nachatlantischen Periode, 333, bereitete sich allmählich dieses vor, dass das Denken tot wurde. Vorher war in das Denken hineinergossen noch Lebendigkeit, die die Erbschaft war aus dem vorirdischen Dasein. Und lebendig fühlten die Griechen, lebendig fühlten die Orientalen, indem sie dachten, in dem Weben des Denkens das Wirken des Geistes, das Wirken der Götter. Diese Orientalen, diese älteren Griechen, sie wussten – indem sie dachten –: In jedem Gedanken lebt der Gott. Das ist verloren. Das Denken ist tot geworden. Und wir müssen die Mahnung der Zeit befolgen, die uns vom Hüter zugeht:
Mahnung des Hüters – Wiederholung
Doch du musst den Abgrund achten;
Sonst verschlingen seine Tiere
Dich, wenn du an mir vorübereilt'st;
Sie hat deine Weltenzeit in dir
Als Erkenntnisfeinde hingestellt.
Diese Weltenzeit hat begonnen 333 nach der Entstehung des Christentums, im vierten Jahrhunderte, nachdem das erste Drittel des vierten Jahrhunderts vorbei war. Und heute ist das Denken deutlich – in allem vom Denken in der Welt Ausgehenden – von Todes-, nicht von Lebenskraft. Und das tote Denken des 19. Jahrhunderts hat den toten Materialismus an die Oberfläche der menschlichen Zivilisation getrieben.
Das Fühlen – ahrimanisch gefärbt
Anders ist es mit dem Fühlen. In derselben Weise konnte noch nicht der große ahrimanische Menschenfeind, Ahriman, auch das Fühlen ertöten, wie er das Denken ertötet hat. Das Fühlen lebt im Menschenwesen auch in der gegenwärtigen Weltenzeit. Aber der Mensch hat dieses Fühlen zum großen Teil aus dem vollen Bewusstsein in das halb Unbewusste hinuntergedrückt. Das Fühlen steigt auf in der Seele. Wer hat es in seiner Gewalt, so wie er das Denken in seiner Gewalt hat? Wem ist es klar, was in den Gefühlen lebt, so wie ihm klar ist, was im Denken lebt?
Nehmen Sie nur eine der traurigsten, nämlich vor dem Geiste traurigsten Erscheinungen unserer Zeit, meine lieben Freunde. Wenn die Menschen klar nachdenken, sind sie Weltenbürger, denn sie wissen ganz gut: das Denken macht den Menschen zum Menschen, wenn es auch im gegenwärtigen Weltenzeitalter tot ist.
Aber im Fühlen sind die Menschen nach Völkern getrennt, und gerade heute lassen sie walten dieses unbewusste Fühlen im schlimmsten Maße. Und überall entsteht der Streit im heutigen Weltensein aus dem unbestimmten Fühlen heraus, durch das sich der Mensch angehörig nur fühlt einer bestimmten Menschengruppe.
Allerdings, das Weltenkarma stellt uns hinein in eine bestimmte Menschengruppe, und es ist unser Fühlen, welches als Werkzeug dem Weltenkarma dient, wenn wir hineingestellt werden in diesen Stamm, in jene Klasse, in jenes Volk. Das ist nicht das Denken, durch das wir so hineingestellt werden. Das Denken, wenn es nicht durch das Gefühl und durch den Willen gefärbt wird, es ist in aller Welt dasselbe Denken. Das Fühlen stuft sich ab nach den verschiedenen Gebieten der Welt. Das Fühlen liegt halb im Unbewussten; das lebt, aber es ist im Unbewussten. Deshalb hat auf das Fühlen der ahrimanische Geist, da er nicht den Einfluss auf sein Leben hat, benützt die Gelegenheit, um im Unbewussten zu wühlen im Fühlen. Und er beschränkt dieses Wühlen auf die Verwechselung von Wahrheit und Irrtum. Und alle unsere Fühlens-Vorurteile werden von ahrimanischen Einflüssen, ahrimanischen Impulsen in uns gefärbt.
Dieses Fühlen, es muss, wenn wir in die geistige Welt eintreten wollen, wirklich vor unsere Seele heraufsteigen. Wir müssen dem Fühlen gegenüber Selbsterkenntnis treiben können. Wir müssen uns durch immerwährendes Zurückblicken auf unser eigenes Wesen sagen können, welche Art von Mensch wir sind als fühlendes Menschenwesen. Das gewinnen wir nicht leicht. In bezug auf das Denken wird es uns leicht verhältnismäßig, wenn wir über uns selber Klarheit gewinnen wollen. Wir tun es zwar auch nicht immer; aber schon eher sagen wir uns: du bist nicht gerade ein Genie, dir fehlt zu einem klaren Denken dies oder jenes. Höchstens Eitelkeit oder Opportunität ist es, die uns nicht dazu kommen lassen, über unser Denken doch einige Klarheit zu haben.
Aber dem Fühlen gegenüber, da kommen wir ja gar nicht dazu, uns selbst wirklich vor unsere Seele hinzustellen. Wir sind ja eigentlich immer überzeugt davon, dass unsere Gefühlsrichtung die rechte ist. Da müssen wir schon recht intim in unsere Seele einkehren, wenn wir uns als fühlendes Menschenwesen so recht vor uns selber charakterisieren wollen. Dennoch, wir müssen es tun. Wir erheben uns nur dadurch, dass wir uns als fühlendes Menschenwesen mit aller Gewissenhaftigkeit zuweilen vor uns selber hinstellen, wir erheben uns nur dadurch über jene Schranken, die das zweite Tier vor uns aufrichtet auf dem Weg in die geistige Welt hinein.
Sonst aber, wenn wir nicht diese Selbsterkenntnis uns gegenüber als fühlendem Menschenwesen zuweilen üben, dann, dann ist es immer, dass wir eigentlich das Spottgesicht gegenüber der geistigen Welt entwickeln. Wir werden uns, wie wir uns unseres kranken Fühlens nicht bewusst werden, auch nicht bewusst, dass wir Spötter sind gegenüber der geistigen Welt. Wir kleiden den Spott in alle möglichen Formen, allein wir spotten doch der geistigen Welt. Und gerade diejenigen, von denen ich vorhin sprechen musste, die Unernsten, das sind die Spötter. Sie genieren sich zuweilen vor sich selber, den Spott auch nur im Gedanken innerlich auszusprechen, aber sie spotten in Wirklichkeit gegenüber der geistigen Welt. Denn wie könnte man der geistigen Welt gegenüber unernst, spielerisch sein, wenn man ihrer nicht spotten würde. Solchen gegenüber spricht der Hüter der Schwelle:
Hüterspruch – Des zweiten Tieres Spottgesicht
Des zweiten Tieres Spottgesicht,
Es ist die böse Gegenkraft
Des Fühlens, das die eigne Seele
Aushöhlet und Lebensleerheit
In ihr erschafft statt Geistgehalt,
Der vor dem Erdensein erleuchtend
Aus Geistessonnenmacht ihr ward.
Das Wollen – ganz im Unbewussten / Karma
Das erste Tier ist das Spiegelbild unseres Willens. Dieses Spiegelbild unseres Willens wendet sich ja an dasjenige, was im Willen lebt. Aber der Wille träumt ja nicht nur, er liegt nicht nur halb im Unbewussten, er liegt ganz im Unbewussten.
Das ist öfter vor Euch, meine Lieben, ausgesprochen worden, wie das Wesen des Willens tief im Unbewussten liegt. Und tief im Unbewussten sucht der Mensch im Leben für das gewöhnliche Bewusstsein die Wege seines . Jeder Schritt, den der Mensch im Leben tut aus seinem Karma heraus, ist ja abgemessen. Aber der Mensch weiß nichts davon. Es geschieht alles unbewusst. Die vorigen Erdenleben wirken kraftend in das Karma hinein. Das Karma führt uns zu unseren Lebenspunkten, zu unseren Lebensentscheidungen, zu unseren Lebenszweifeln. Da sind die Verirrungen des einzelnen Menschen, des Menschen, der nur für sein eigenes, einzelnes Wesen in der Welt die Wege sucht. Im Denken: der Mensch sucht die Wege, die alle Menschen suchen. Im Fühlen: der Mensch sucht die Wege, die seine Menschengruppe sucht. Im Fühlen erkennt man ja, ob einer aus dem Norden, aus dem Westen, aus dem Süden, aus dem Osten Europas, oder aus der Mitte, aus dem Westen, aus dem Osten, aus dem Süden stammt. Man muss schon eingehen auf die unbewussten Impulse des Willens, um den Menschen nicht als allgemeines Menschenwesen, nicht als Angehörigen einer Gruppe, sondern als dieses einzelne Menschenindividuum vor sich zu haben. Da wirkt der Wille. Da wirkt der Wille aber auch im tief Unbewussten. Und da zeigt die Verirrungen des Willens das erste der Tiere.
Karma
Schicksalszusammenhang zwischen den Inkarnationen. Steiner sprach es nach der Stenogramm-Notiz stets als ‹Kärma›.mehr
Im zweiten Stadium nach dem Tod (Mantram ‹Was wird aus des Feuers Reinigung …›) erlebt der Mensch rückwärts, was andere durch ihn erlitten haben — ‹in seiner gerechten Sühne›. Im dritten Stadium arbeiten Archai, Kyriotetes und Seraphine an der Karma-Ausarbeitung. GA 270b, Vierzehnte Stunde. Da spricht mahnend der Hüter:
Hüterspruch – Des ersten Tieres Knochengeist
Des ersten Tieres Knochengeist,
Er ist die böse Schöpfermacht
Des Wollens, die den eignen Leib
Entfremdet deiner Seelenkraft
Und ihn den Gegenmächten weiht,
Die Weltensein dem Göttersein
In Zukunftzeiten rauben wollen.
In unserem Wollen wirken die geistigen , die eigentlich unsern Leib hinwegreißen wollen von uns während unseres Erdendaseins und damit ein Stück unserer Seele mitreißen möchten, damit sie bauen können damit dasjenige Erdendasein, das nicht in Jupiter, Venus, Vulkan sich weiterentwickeln soll, sondern das weggerissen von den göttlichen Absichten mit der Erde, der Erde entfremdet, der Erde geraubt würde nach einiger Zeit, in der Zukunft. Mit dieser den Göttern geraubten Erde soll der Mensch nach gewissen Mächten, die in seinem Willen wirken, durch den er sein Karma sucht, verbunden werden.
Mächte
‹Mächte› — mittlere Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Fühlen.mehr
‹Erfühle Geistes-Welten-Leben im Menschen-Körper-Leben.› Das erste Tier ist wirklich geeignet, das zu vergegenwärtigen im Spiegelbild, was da im Willen wirkt: Knochenhaftes Haupt, von dürrem Leib, ganz von stumpfem Blau ist seine Haut; den Rücken krumm hat es. Das ist der ahrimanische Geist, der in allem Karmasuchen in dem Willen waltet und der nur besiegt werden kann durch den Erkenntnismut. Und so, wie ich es eben angeführt habe, so spricht der Hüter der Schwelle von diesem ersten Tier.
In diesen Worten aus dem Munde des Hüters der Schwelle klingt die Mahnung weiter, die er dem suchenden, dem Einsicht, dem Erkenntnis suchenden Menschengeiste zuruft.
Lassen wir diese Worte, meine Lieben, recht, recht intensiv in unserer Seele leben, und hören wir des öfteren dasjenige, was der Hüter spricht:
Die Konkordanzen – Steigerung Denken/Fühlen/Wollen
Sie müssen wiederum die Konkordanzen in diesen Sprüchen entsprechend fassen. Fühlen Sie zunächst, was jede Strophe für sich hat.
Fühlen Sie die Steigerung durch die drei Sprüche: ‹verleugnet› (Denken) – ‹aushöhlet› (Fühlen) – ‹entfremdet› (Wollen); und ebenso ‹Gegenbild› – ‹Gegenkraft› – ‹Schöpfermacht›. Erst etwas Intellektuelles: ‹verleugnet›; etwas, was noch im Innern wühlt: ‹aushöhlet›; etwas, was direkt das Innere wegnimmt: ‹entfremdet›.
Fühlen Sie, wie aber durch alle drei Strophen, durch alle drei Sprüche durchklingt das ‹böse›. Und wenn Sie innerhalb dieser Sprüche entsprechend erfühlen jene Haltepunkte, die gegeben sind in den Steigerungen, in dem Unterschiede zwischen Denken, Fühlen und Wollen, und wenn Sie recht herausfühlen, wie alle drei verbunden werden durch das eine gleiche, immer wiederkehrende ‹böse›, dann wird Ihnen, meine lieben Freunde, jeder der Sprüche zum , zum Mantram seinem inneren Sinn nach, und er wird Ihnen Führer sein können auf den einzelnen drei Etappen in die geistige Welt hinein: der des dritten Tieres, der des zweiten Tieres, der des ersten Tieres. Und wenn Sie nie ohne diese Konkordanzen und ohne zu verbinden diese drei durch das eine entscheidende Wort zum inneren Seelenorganismus, wenn Sie niemals ohne dieses in sich rege machen diese drei Sprüche, so werden diese drei Sprüche Euch Führer sein, meine Lieben, auf dem Wege hinein in die geistige Welt, vorbei an dem Hüter der Schwelle.
Mantram
Verdichtete Sprüche, die in den Klassenstunden gesprochen und an die Tafel geschrieben wurden. Sie sind keine Lehrsätze, sondern Meditationssubstanz.mehr
Steiner war es ausdrücklich nicht um das Gedächtnis zu tun: ‹Ich bin es zufrieden, wenn du gar nicht in dein Gedächtnis aufnimmst dasjenige, was ich zu dir spreche.› Die Mantren wirken durch wiederholtes inneres Erleben, nicht durch Lernen. Daher die Bedeutung der Stimmung — ‹Ernstes, Feierliches, Weihevolles›. GA 270a, Vierte Stunde. Wir wollen ihn in den nächsten Stunden näher kennenlernen.