Mantren Vierzehnte Stunde Dornach · 1924-05-31 · GA 270b, S. 93–113

Vierzehnte Stunde

Dornach · · GA 270b, S. 93–113

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Einleitung – die Situation vor dem Hüter der Schwelle

Meine lieben Freunde! Wir haben die Stellung des Menschen zum
Hüter der Schwelle Geistige Wesenheit, die am Übergang von der Sinneswelt in die geistige Welt steht. Sie stellt prüfende Fragen — die Mantren der Klasse sind oft Frage des Hüters und Antwort der Hierarchien.
mehr Der Hüter ist nicht Hindernis, sondern Mahnender. Er macht den Menschen darauf aufmerksam, daß er, will er die Schwelle übertreten, sein Denken, Fühlen und Wollen verwandeln muß. In den Mantren tritt er sprechend auf: ‹Der Hüter spricht …› — und es antworten Angeloi, Exusiai, Throne und so weiter. In späteren Stunden ‹spricht der Hüter aus der Ferne›, weil der Schüler an ihm vorbeigeschritten ist. GA 270b, Dreizehnte Stunde: ‹Der Hüter der Schwelle stellt die prüfend-mahnende Frage an uns. Die Hierarchien antworten.›
betrachtet und wollen heute die Situation vor dem Hüter ganz lebendig vor die Seele stellen. Der Mensch verlässt die physische Welt; so grossartig sie ist, sein eigenes Wesen findet sich nicht in den Weiten dieses Umkreises. Da tönt von allen Seiten das Wort der
Selbsterkenntnis Der Ausgangspunkt der Klasse, gefaßt im Wort ‹O Mensch, erkenne dich selbst!› — kein Brüten ins Innere, sondern ‹ausführliches Gespräch mit Welt, Hüter und Hierarchien›.
mehr GA 270b, Zwölfte Stunde.
: O Mensch, erkenne dich selbst! Der Hüter behütet den Menschen davor, im nächtlichen Schlafe unvorbereitet das wahrzunehmen, was ihn dort umgibt – und ist doch zugleich das einzige Tor der echten Erkenntnis. Vor dem Reich der Erkenntnis liegt ein
Abgrund Der Spalt zwischen Sinneswelt und Geisteswelt, an dem der Hüter steht. Über ihn kann nur das geistig-seelische Wesen schreiten.
mehr Mantram ‹Wo auf Erdengründen …›: ‹Vor ihm breiten sich die Sinnesfelder, / Hinter ihm, da gähnen Abgrundtiefen.›
; man kann ihn nur übersetzen, wenn man sich vom Physischen befreit und einem – symbolisch – ‹Flügel wachsen›.
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Das Aufhören der Element-Trennung jenseits der Schwelle

Diesseits der
Schwelle Der Übergang zwischen Sinneswelt und geistiger Welt. Vor ihr liegt der ‹Abgrund› — die Stütze des physischen Bewußtseins hört auf.
mehr Bevor der Mensch in das Reich der Erkenntnis eintritt, kommt er an einen Abgrund, der sich zunächst als Bodenloses darstellt. Man kann ihn nur übersetzen, wenn einem ‹symbolisch gesprochen Flügel wachsen› — wenn man sich vom Physischen befreit. GA 270b: ‹Dabei bemerkt der Mensch, daß er, bevor er in das Reich der Erkenntnis eintritt, an einen Abgrund kommt …›
stehen wir auf dem festen Erdenelement; das Wässrige durchdringt uns, die Luft umgibt uns, die Wärme ebenso. Im gewöhnlichen Leben sind diese Elemente getrennt; nur das Feuer durchdringt alles. Sobald wir aus dem physischen Leib herausgehen, hört diese Trennung auf: wir sind gleichzeitig in Erde, Wasser, Feuer, Luft, und ihre Eigenschaften hören auf – die Erde ist nicht mehr Stütze, das Wässrige formt nicht mehr, die Luft ist nicht mehr bildende Atemkraft, die Wärme entflammt uns nicht mehr zum Ich. Diesem Aufhören müssen wir die richtige Stimmung entgegenbringen.
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Die luziferische und die ahrimanische Gefahr

Jenseits der Schwelle drohen zwei Gefahren. Die luziferische: dass man sich illusionsmässig in das Losgelöstsein verliebt, nur in der Wonne des Geistes verharren will und bei der Rückkehr ins Alltagsleben ein verworrener Mensch, ein Schwärmer wird. Die ahrimanische: dass man die materialistische, verfestete Seelenverfassung des Diesseits ins Jenseits hinüberträgt – dann erfasst einen drüben die Ohnmacht, das Bewusstsein wird herabgelähmt, man wird ein Werkzeug der ahrimanischen
Mächte ‹Mächte› — mittlere Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Fühlen.
mehr ‹Erfühle Geistes-Welten-Leben im Menschen-Körper-Leben.›
. Steiner verweist auf den Weltkrieg: ein Teil der wenigen an seiner Entstehung Beteiligten hatte im entscheidenden Moment ein getrübtes Bewusstsein. Der Mensch muss für jedes Gebiet – diesseits und jenseits des Abgrundes – ein menschenstarkes Innenbewusstsein entwickeln.
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Ich – Mein Leben – Meine Seele – Mein Ich

Vier Mahnungen des Hüters – für Erde, Wasser, Luft, Feuer –, auf die das Herz dreifach antworten kann: angeregt von Christus, von Luzifer oder von Ahriman. Beim Erdenelement spricht das Ich (‹Ich verlasse / Ich fühle / Ich will›), beim Wasser objektiver ‹Mein Leben›, bei der Luft ‹Meine Seele›, beim Feuer ‹Mein Ich› – wie von einem Gegenstande. Steiner bemerkt: Verstorbene, die längere Zeit in der geistigen Welt sind, sagen nie ‹Ich›, sondern immer ‹Mein Ich›, weil sie es mit dem Auge der Götter ansehen. Die Christus-Antwort enthält stets das bescheidene ‹so lang›; Luzifer lässt es aus und setzt eine Ewigkeit an die Stelle der Zeitlichkeit, Ahriman will das Element verfestigt ins Geistgebiet hinübertragen.
Niemand darf davor zurückschrecken, sich meditativ alle drei Antworten vorzuführen, um in freier Wahl die erste (die Christus-Antwort) zu wählen – denn man muss fühlen, wie das Innere zu Luzifer und Ahriman hinneigen will. Steiner betont, dass diese Schule nicht von Menschenwillen, sondern von der geistigen Welt eingesetzt ist und die wirkliche
Michael-Schule Die esoterische Schule, die Rudolf Steiner ab Februar 1924 am Goetheanum eröffnete — als erste von drei geplanten Klassen, von denen nur diese zustande kam.
mehr Die Stunden bestanden aus gesprochenem Vortrag mit eingebetteten Mantren. Was Steiner an die Tafel schrieb, war für die Schüler verbindlich; das Gesprochene war Erläuterung. Steiner nennt die Schule ‹die wirkliche Michael-Schule›. GA 270b: ‹diese esoterische Schule ist die wirkliche Michael-Schule, ist die Institution derjenigen geistigen Wesenheiten, die unmittelbar die Inspiration des kosmischen Willens Michaels haben.›
darstellt.
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Das Schwellengespräch – Erde, Wasser, Luft, Feuer (Hüter / Christus / Luzifer / Ahriman)

Wo ist der Erde Festigkeit, die dich stützte?
Ich verlasse ihren Grund, so lang der Geist mich trägt.
Ich fühle wonnig, daß ich fortan der Stütze nicht bedarf.
Ich will durch Geistes Kraft fester noch sie hämmern.
Wo ist des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang?
Mein Leben verlöscht sie, so lang der Geist mich formt.
Mein Leben zerschmilzt sie, daß ich erlöst von ihr werde.
Mein Leben befestigt sie, daß ich sie ins Geistgebiet versetze.
Wo ist der Lüfte Reizgewalt, die dich erweckte?
Meine Seele atmet Himmelsluft, so lang der Geist um mich besteht.
Meine Seele achtet ihrer nicht in Geistes Seligkeit.
Meine Seele saugt sie auf, daß ich göttlich schaffen lerne.
Wo ist des Feuers Reinigung, die dir das Ich erflammte?
Mein Ich lodert im Gottesfeuer, so lang der Geist mich zündet.
Mein Ich hat Flammenmacht durch Geistes Sonnenkraft.
Mein Ich hat Eigenfeuer, das rein durch Selbstentfaltung flammt.
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Wie der Dialog zu meditieren ist

So meditiert man richtig, wenn man zuerst viermal den Hüter hört (Erde, Wasser, Luft, Feuer) und dann die eigene Seele antworten lässt – die erste Antwort wie von Christus beseelt, die zweite wie die Stimme des Versuchers, die dritte wie die des aufgeblasenen materialistischen Ahriman-Geistes.
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Schlusswiederholung – das vollständige Schwellengespräch

Wo ist der Erde Festigkeit, die dich stützte?
Ich verlasse ihren Grund, so lang der Geist mich trägt.
Ich fühle wonnig, daß ich fortan der Stütze nicht bedarf.
Ich will durch Geistes Kraft fester noch sie hämmern.
Wo ist des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang?
Mein Leben verlöscht sie, so lang der Geist mich formt.
Mein Leben zerschmilzt sie, daß ich erlöst von ihr werde.
Mein Leben befestigt sie, daß ich sie ins Geistgebiet versetze.
Wo ist der Lüfte Reizgewalt, die dich erweckte?
Meine Seele atmet Himmelsluft, so lang der Geist um mich besteht.
Meine Seele achtet ihrer nicht in Geistes Seligkeit.
Meine Seele saugt sie auf, daß ich göttlich schaffen lerne.
Wo ist des Feuers Reinigung, die dir das Ich erflammte?
Mein Ich lodert im Gottesfeuer, so lang der Geist mich zündet.
Mein Ich hat Flammenmacht durch Geistes Sonnenkraft.
Mein Ich hat Eigenfeuer, das rein durch Selbstentfaltung flammt.
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Wandtafelzeichnung zur Vierzehnten Stunde

Die bildliche Darstellung des Atemweges: nach unten Kohlensäure (Blut), nach oben Kieselsäure (Sinne) – der Zusammenhang von Luftelement und Sinnen, der dem dritten Teil des Schwellengesprächs zugrunde liegt. Unmittelbare Lese- und Meditationshilfe zu dieser Stunde.
Wandtafel Rudolf Steiners vom 31. Mai 1924 (hochformat): geschwungene grüne und rote Linien mit Pfeilen, die den Strömungsweg von der Kohlensäure (rote Schrift ‹Kohlens.› unten) zur Kieselsäure (gelbe Schrift ‹Kiesel.› oben) im Atmungs- und Sinnesprozess darstellen.
GA 270i, Wandtafelzeichnungen, Tafel zur Vierzehnten Stunde (31.5.1924)

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