Mantren Neunte Stunde Dornach · 1924-04-22 · GA 270a, S. 217–233

Neunte Stunde

Dornach · · GA 270a, S. 217–233

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Einleitung

Meine lieben Freunde! Wir lassen zunächst – ohne dabei etwas zu notieren – diejenige Mahnung an die Menschenseele an unserem Gemüte vorüberziehen, welche den Menschen auf das uralt heilige Wort des Erkennens hinweist:
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Das Weltenwort (Wiederholung)

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das
Weltenwort Das schöpferische Wort, das aus dem Weltenall an den Menschen herantönt. Eröffnet jede Klassenstunde mit ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›
mehr Anders als das Menschenwort, in dem Menschendenken spricht, spricht im Geistes-Weltenwort das Weltendenken. Die Seraphine sprechen es als Feuersprache, ‹flammende Stimme›. GA 270b, Sechzehnte Stunde.
.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
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Drei innere Erlebnisse – Ruhesterne, Wandelsterne, Erdenschwere

Wir können hinaufschauen in die Weiten der Sterne und unseren Blick auf den Ruhesternen ruhen lassen, die uns bestimmte Formen ihrer Gruppierung entgegenbringen; wenn dieses Bild aus unserem eigenen Inneren auftaucht, erkraftet sich die Seele, ihr Seelisches freizubekommen vom Körperlichen. Wir können ferner hinschauen auf alles, was uns von den Wandelsternen durchströmt, und uns ein Bild davon machen – das Hineinverwobensein in die Bewegung des Umkreises als ein zweites Erleben. Und wir können gewahr werden, was uns an die Erde fesselt, was uns zum schweren Körper macht – das ist ein drittes.
Aus diesen drei inneren Erlebnissen kommen wir dazu, den Anfang zu machen, in die geistige Welt einzutreten – und diesen Anfang kann heute jeder Mensch machen. Dass ihn so wenige machen, liegt daran, dass die meisten nicht so intim erleben wollen; sie möchten tumultuarischer erleben, so dass ihnen die geistige Welt mit allen Eigenschaften der sinnlichen entgegenträte. Aber Tische gibt es nicht in der geistigen Welt, nur geistige Wesenheiten – wahrzunehmen mit demjenigen im Menschen, was selber geistig ist.
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Der ganze Leib als Sinnesorgan

Zunächst handelt es sich darum, dass wir uns im späteren Leben wirklich zu dem machen, was wir als Kind in hohem Grade sind: fast ganz Sinnesorgan, Auge, Ohr. Das Kind nimmt alles wahr, wie wenn sein ganzer Körper Sinnesorgan wäre. In dem Augenblick, wo es sich auf die Füße stellt und seine Bewegungen in die Kräfte der Erde hineinfallen, hört das intime Sinne-Sein auf. Wir müssen uns wieder als ein einziges großes Tastorgan erleben, das unser ganzer Leib ist: indem wir uns durch unseren ganzen Körper auf die Erde stellen und die Erde mit den Fußsohlen betasten, fühlen wir uns erst in den Erdenkräften drinnenstehend. Daher die vierstufige Mahnung an der
Schwelle Der Übergang zwischen Sinneswelt und geistiger Welt. Vor ihr liegt der ‹Abgrund› — die Stütze des physischen Bewußtseins hört auf.
mehr Bevor der Mensch in das Reich der Erkenntnis eintritt, kommt er an einen Abgrund, der sich zunächst als Bodenloses darstellt. Man kann ihn nur übersetzen, wenn einem ‹symbolisch gesprochen Flügel wachsen› — wenn man sich vom Physischen befreit. GA 270b: ‹Dabei bemerkt der Mensch, daß er, bevor er in das Reich der Erkenntnis eintritt, an einen Abgrund kommt …›
zur geistigen Welt:
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Die intime Übung – ‹O Mensch, ertaste / erlebe / erfühle / erdenke›

O Mensch, ertaste in deines Leibes ganzem Sein,
Wie Erdenkräfte dir im Dasein Stütze sind.
O Mensch, erlebe in deines Tastens ganzem Kreis,
Wie Wasserwesen dir im Dasein Bildner sind.
O Mensch, erfühle in deines Lebens ganzem Weben,
Wie Luftgewalten dir im Dasein Pfleger sind.
O Mensch, erdenke in deines Fühlens ganzem Strömen,
Wie Feuermächte dir im Dasein Helfer sind.
O Mensch, erschaue dich in der Elemente Reich.
(Erde – Wasser – Luft – Feuer)
O Mensch, so lasse walten in deiner Seele Tiefen
Der Wandelsterne weltenweisende
Mächte ‹Mächte› — mittlere Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Fühlen.
mehr ‹Erfühle Geistes-Welten-Leben im Menschen-Körper-Leben.›
.
O Mensch, erwese dich durch den Weltenkreis.
O Mensch, erhalte dir in deines Geistes Schaffen
Der Ruhesterne himmelkündende Worte.
O Mensch, erschaffe dich durch die Himmelsweisheit.
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Vom physischen Fühlen ins Moralische – Stütze, Bildner, Pfleger, Helfer

Wären nur die ertastbaren Erdenkräfte in uns, wir würden nach unten immerdar zerfallen; die Wasserkräfte bilden uns aus dem Weltenäther zum gestalteten Leib. Auf das Feste hat nur die Erde Einfluss, auf das Flüssige die ganze weite Welt des Äthers. Den Atem, die Luftgewalten, die uns aus hilflosen Kindern zu Menschen machen, können wir nicht mit dem Gedanken erreichen, nur lieben und ihnen dankbar sein.
Aber die Wärme in uns können wir mit dem Gedanken erreichen – hier ist ein bedeutsames Geheimnis: senkt man den Gedanken hinunter in den eigenen Wärme-Organismus (die Wärme von Lunge, Leber, Herz), so macht der Gedanke die bloße Wärme zur Flamme; er zieht leuchtend, strahlend in die Organe ein. Man durchleuchtet sich durch den Gedanken nach den Unterschiedenheiten der Wärme. So geht das Durchkraften vom physischen Fühlen ins Moralische über: Stütze (physisch), Bildner (physisch, ätherisch durchzogen), Pfleger (schon moralisch), Helfer/Kameraden (Wesen, die uns gleichgeartet sind).
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Seele durch den Weltenkreis, Geist durch die Himmelsweisheit – Leben, Liebe, Frommsein

Ebenso wie man den Leib durchfühlt, kann man die Seele durchfühlen – dann konzentriert man sich nicht auf die Elemente, sondern auf das, was in den Wandelsternen um die Erde zieht: ‹O Mensch, so lasse walten in deiner Seele Tiefen / Der Wandelsterne weltenweisende Mächte.› Und das Geistige in uns erfassen wir, wenn wir den Geist zu den Ruhesternen erheben, deren Gruppenformungen zur Himmelsschrift werden: ‹O Mensch, erhalte dir in deines Geistes Schaffen / Der Ruhesterne himmelkündende Worte.›
Indem wir den ersten Teil absolvieren, fühlen wir das Leben; den zweiten Teil – die Liebe zu aller Welt; den dritten Teil – das Frommsein. Es ist ein Hinaufheben vom Leben durch die Liebe zum Frommsein, zum religiösen Welterleben. Dann hört die Welt auf, physisch für uns zu sein: das Physische ist nur
Schein Die Welt der Sinne, sofern sie als das Eigentliche genommen wird. Der Weg der Klasse geht aus dem ‹Reich der Illusion, im Reiche der Maja› hinüber.
mehr GA 270b, Sechzehnte Stunde.
, Maja; die Welt ist durch und durch Geist – und wir sind jenseits der Schwelle.
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Denken, Fühlen, Wollen im Weltenall aufgeteilt

Jenseits der Schwelle empfinden wir, wie der Leib hier Denken, Fühlen, Wollen durch seine Leibeskraft zusammenhält; leibfrei aber sind sie eine Dreiheit. Mit dem Wollen werden wir eins mit der Erde; im Fühlen erleben wir die kreisenden
Gewalten ‹Gewalten› — unterste Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Erkennen.
mehr ‹Erkenne Geistes-Welten-Schaffen im Menschen-Körper-Schaffen.›
der Wandelsterne; das Denken fliegt hinaus zu den Ruhesternen und ruht in ihnen. Mein Denken ruht in den Ruhesternen, mein Fühlen bewegt sich in den Wandelsternen, mein Wollen gliedert sich den Kräften der Erde ein – Denken, Fühlen, Wollen sind im Weltenall aufgeteilt.
Sie müssen mit festem inneren Erkraften wieder zu einer Einheit zusammengefügt werden: dem Denken bei den Ruhesternen teilt man Fühlen und Wollen mit (man bewegt im Geiste den Sternenhimmel); dem Fühlen bei den Wandelsternen teilt man Denken und Wollen mit (man hält den Augenblick fest wie sonst nur die Fixsterne); dem an die Erde gebundenen Wollen teilt man Fühlen und Denken mit (man bewegt im Gedanken die Erde, macht sie wieder zum Ruhestern). Dazu lasse man eine besonders kräftig wirkende mantrische Formel walten:
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Mantram – ‹Trag' in Denk-Erleben› (Geist – Seele – Leib)

Trag' in Denk-Erleben
Das als reines Sinnen
In der Seele lichtvoll glänzt
Fühlen und Wollen
Und du bist Geist
Unter reinen Geistern.
Trag' in Fühlenskräfte
Die als edle Liebe
Durch die Seele wärmend weben
Denken und Wollen
Und du bist Seele
Im Reich der Geister.
Trag' in Willensmächte
Die als Geistestriebe
Um die Seele wirkend leben
Denken und Fühlen
Und du schaust dich selbst
Als Leib aus Geisteshöhen.
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Was so erkundet wird aus der geistigen Welt, was der Eingeweihte erlebt – in Worte gefasst sind es mantrische Worte, und wer es nacherlebt, wird in die geistige Welt hineingeführt. Es ist eine wirkliche Führerschaft in die geistige Welt. Dann, wenn solches euch immer klarer wird, werdet ihr mit immer größerem Welterleben die Worte hören:
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Schlusswiederholung – Das Weltenwort

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.

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