Dritte Wiederholungsstunde
Einleitung
Meine lieben Schwestern und Brüder! Für die neu eingetretenen Mitglieder können auch heute die einleitenden Verpflichtungen nicht wiederholt werden; sie sind ihnen von denen mitzuteilen, die ihnen die Sprüche übergeben. Wir beginnen wiederum, indem wir das vor die Seele treten lassen.
Weltenwort
Das schöpferische Wort, das aus dem Weltenall an den Menschen herantönt. Eröffnet jede Klassenstunde mit ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›mehr
Anders als das Menschenwort, in dem Menschendenken spricht, spricht im Geistes-Weltenwort das Weltendenken. Die Seraphine sprechen es als Feuersprache, ‹flammende Stimme›. GA 270b, Sechzehnte Stunde.Das Weltenwort – ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
Rückblick – der Hüter, die drei Tiere, die Schein/Sein-Sprüche
Der Erkenntnisweg hat uns bis an den geführt. Hart am des Seins zeigte er, wie Wollen, Fühlen, Denken vor den Augen der geistigen Wesen erscheinen – als die drei Tiere. Dann gab er die Sprüche, in denen wir uns ins Denken versenken (Scheineswesen, das das Selbst nicht trägt), in die Gefühle hinabsteigen (wo und Sein sich mengen) und in den Willen (wo Sein in die Selbsteigenheit einströmt). So sprach der Hüter die mantrischen Worte ‹Sieh in dir Gedankenweben / Vernimm in dir Gefühle-Strömen / Laß walten in dir den Willens-Stoß›.
Hüter der Schwelle
Geistige Wesenheit, die am Übergang von der Sinneswelt in die geistige Welt steht. Sie stellt prüfende Fragen — die Mantren der Klasse sind oft Frage des Hüters und Antwort der Hierarchien.mehr
Der Hüter ist nicht Hindernis, sondern Mahnender. Er macht den Menschen darauf aufmerksam, daß er, will er die Schwelle übertreten, sein Denken, Fühlen und Wollen verwandeln muß. In den Mantren tritt er sprechend auf: ‹Der Hüter spricht …› — und es antworten Angeloi, Exusiai, Throne und so weiter. In späteren Stunden ‹spricht der Hüter aus der Ferne›, weil der Schüler an ihm vorbeigeschritten ist. GA 270b, Dreizehnte Stunde: ‹Der Hüter der Schwelle stellt die prüfend-mahnende Frage an uns. Die Hierarchien antworten.›Abgrund
Der Spalt zwischen Sinneswelt und Geisteswelt, an dem der Hüter steht. Über ihn kann nur das geistig-seelische Wesen schreiten.mehr
Mantram ‹Wo auf Erdengründen …›: ‹Vor ihm breiten sich die Sinnesfelder, / Hinter ihm, da gähnen Abgrundtiefen.›Schein
Die Welt der Sinne, sofern sie als das Eigentliche genommen wird. Der Weg der Klasse geht aus dem ‹Reich der Illusion, im Reiche der Maja› hinüber.mehr
GA 270b, Sechzehnte Stunde.Wiederholung – ‹Sieh in dir Gedankenweben› (vgl. Dritte Stunde, App 3)
Sieh in dir Gedankenweben:
Weltenschein erlebest du,
Selbstheitsein verbirgt sich dir;
Tauche unter in den Schein:
Ätherwesen weht in dir;
Selbstheitsein, es soll verehren
Deines Geistes Führerwesen.
* * *
Vernimm in dir Gefühle-Strömen:
Es mengen Schein und Sein sich dir,
Die Selbstheit neigt dem Scheine sich;
So tauche unter in scheinendes Sein:
Und Welten-Seelenkräfte sind in dir;
Die Selbstheit, sie soll bedenken
Der eignen Seele Lebensmächte.
* * *
Laß walten in dir den Willens-Stoß:
Der steigt aus allem Scheineswesen
Mit Eigensein erschaffend auf;
Ihm wende zu all dein Leben:
Der ist erfüllt von Welten-Geistesmacht;
Dein Eigensein, es soll ergreifen
Weltschöpfermacht im Geistes-Ich.
Trochäisch · jambisch · spondäisch – der Rhythmus der drei Sprüche
In dieser Stunde deutet der Hüter den Rhythmus dieser drei Sprüche. Der erste (‹Sieh in dir Gedankenweben›) ist trochäisch (Hochton, dann Tiefton): ein Herunterbewegen der geistigen Welt zu uns. Der zweite (‹Vernimm in dir Gefühle-Strömen›) ist jambisch (Tiefton vor Hochton): wir streben mit dem Gefühl hinauf zum Sein. Der dritte (‹Laß walten in dir den Willens-Stoß›) ist spondäisch (zwei Hochtöne): wir stehen unmittelbar neben dem Sein. Auch die Wortwahl steigert sich: ‹verehren› → ‹bedenken› → ‹ergreifen›; ‹Führerwesen› → ‹Lebensmächte› → ‹Weltschöpfermacht›. In einem mantrischen Spruch ist alles an die rechte Stelle gefügt.
Eingliederung in den Kosmos – unten, Mitte, oben
Dann zeigt der Hüter, wie wir uns in den Kosmos eingliedern müssen, da im Menschen alles verwoben ist, im Kosmos aber geordnet. Den Willen weist er nach unten (Erdentiefen ziehen mit Schwere, verfinstern das Ich, wenn der Wille machtlos folgt); das Fühlen in die horizontalen Weltenweiten (Göttermächte senden Geisteshelle, liebend findet man sich, weisheitwebend wird man Selbst); das Denken in die Himmelshöhen (Selbstsein selbstlos, in Tapferkeit das von oben gnadevoll ertönende Wort vernehmen). Daraus das dreistrophige ‹Fühle wie die Erdentiefen / aus Weltenweiten / in Himmelshöhen›.
Mantram
Verdichtete Sprüche, die in den Klassenstunden gesprochen und an die Tafel geschrieben wurden. Sie sind keine Lehrsätze, sondern Meditationssubstanz.mehr
Steiner war es ausdrücklich nicht um das Gedächtnis zu tun: ‹Ich bin es zufrieden, wenn du gar nicht in dein Gedächtnis aufnimmst dasjenige, was ich zu dir spreche.› Die Mantren wirken durch wiederholtes inneres Erleben, nicht durch Lernen. Daher die Bedeutung der Stimmung — ‹Ernstes, Feierliches, Weihevolles›. GA 270a, Vierte Stunde.Wiederholung – ‹Fühle wie die Erdentiefen …› (vgl. Vierte Stunde, App 4)
Fühle wie die Erdentiefen
Ihre Kräfte deinem Wesen
In die Leibesglieder drängen.
Du verlierest dich in ihnen,
Wenn du deinen Willen machtlos
Ihrem Streben anvertrauest;
Sie verfinstern dir das Ich.
* * *
Fühle wie aus Weltenweiten
Göttermächte ihre Geisteshelle
Dir ins Seelenwesen leuchten lassen.
Finde dich in ihnen liebend,
Und sie schaffen weisheitwebend
Dich als Selbst in ihren Kreisen
Stark zum guten Geistesschaffen.
* * *
Fühle wie in Himmelshöhen
Selbstsein selbstlos leben kann,
Wenn es geisterfüllt Gedankenmächten
In dem Höhenstreben folgen will
Und in Tapferkeit das Wort vernimmt,
Das von oben gnadevoll ertönet
In des Menschen wahre Wesenheit.
Licht/Finsternis · Warm/Kalt · Leben/Tod
Schliesslich belehrt der Hüter über Höhe, Mitte und Unten, weil er über Denken, Fühlen, Wollen belehren will: zwischen Licht und Finsternis (Denken), zwischen Warmem und Kaltem (Fühlen), zwischen Leben und Tod (Wollen) ist je der Weg zum Selbst zu finden. Das ergibt das Mantram ‹Es kämpft das Licht mit finstren Mächten …›; davon soll in der nächsten Stunde ausgegangen werden.
Wiederholung – ‹Es kämpft das Licht mit finstren Mächten …› (vgl. Fünfte Stunde, App 5)
Es kämpft das Licht mit finstren Mächten
In jenem Reiche, wo dein Denken
In Geistesdasein dringen möchte.
Du findest, lichtwärts strebend,
Dein Selbst vom Geiste dir genommen;
Du kannst, wenn Finstres dich verlockt,
Im Stoff das Selbst verlieren.
* * *
Es kämpft das Warme mit dem Kalten
In jenem Reiche, wo dein Fühlen
Im Geistesweben leben möchte.
Du findest, Wärme liebend,
Dein Selbst in Geisteslust verwehend;
Du kannst, wenn Kälte dich verhärtet,
Im Leid das Selbst verstäuben.
* * *
Es kämpft das Leben mit dem Tode
In jenem Reiche, wo dein Wollen
Im Geistesschaffen walten möchte.
Du findest, Leben fassend,
Dein Selbst in Geistesmacht verschwinden;
Du kannst, wenn Todesmacht dich bändigt,
Im Nichts das Selbst verkrampfen.
Schlusswiederholung – Das Weltenwort
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
Michael-Zeichen und Siegelgesten zum Schluss
Zum Schluss erneut das Weltenwort, dann – im Zeichen Michaels und mit dem Symbolum des Rosenkreuzes – ‹Ex deo nascimur / In Christo morimur / Per spiritum sanctum reviviscimus› mit den drei und ‹Ich bewundere den Vater / Ich liebe den Sohn / Ich verbinde mich dem Geiste›. Die Sprüche sind nur für Mitglieder; Weitergabe bedarf der Erlaubnis (Frau Dr. Wegman oder Rudolf Steiner), nicht brieflich; sonstige Mitschriften nach acht Tagen verbrennen, da unrechtmässig weitergegebene Sprüche ihre Wirkung verlieren.