Mantren 2 Geschichte der Verwandlung Drei Tiere

Der Hüter spricht:

Des dritten Tieres glasig Auge,Es ist das böse GegenbildDes Denkens, das in dir sich selbstVerleugnet und den Tod sich wählet,Absagend Geistgewalten, die esVor seinem Erdenleben geistigIn Geistesfeldern lebend hielten.

Des zweiten Tieres Spottgesicht,Es ist die böse GegenkraftDes Fühlens, das die eigne SeeleAushöhlet und LebensleerheitIn ihr erschafft statt Geistgehalt,Der vor dem Erdensein erleuchtendAus Geistessonnenmacht ihr ward.

Des ersten Tieres Knochengeist,Er ist die böse SchöpfermachtDes Wollens, die den eignen LeibEntfremdet deiner SeelenkraftUnd ihn den Gegenmächten weiht,Die Weltensein dem GötterseinIn Zukunftzeiten rauben wollen.

Hinweis zu 2.1

Die Erklärung der drei Tiere – Des dritten Tieres glasig Auge

Der Hüter erklärt die drei Tiere des Drei-Tiere-Mantrams: das dritte (Denken) als böses Gegen-Bild, das zweite (Fühlen) als Gegen-Kraft, das erste (Wollen) als Gegen-Macht – die Erkenntnisfeinde aus dem Abgrund des Seins.

Die Fortsetzung der Hüter-Rede unmittelbar nach dem Drei-Tiere-Mantram (App-Mantram 1.4). Der Hüter deutet die drei Tiere als böse Gegenbilder von Denken, Fühlen und Wollen. Das Denken (drittes Tier, glasiges Auge) ist der Leichnam unseres Seelenwesens – es lebte im vorirdischen Dasein und ist seit etwa 333 n. Chr. tot, woraus der Materialismus des 19. Jahrhunderts erwuchs. Das Fühlen (zweites Tier, Spottgesicht) ist halb unbewusst, von ahrimanischen Impulsen durchwühlt (Völkertrennung, Spott gegen das Geistige). Das Wollen (erstes Tier, Knochengeist) liegt ganz im Unbewussten, dort suchen wir die Wege des Karma; in ihm wirken die Gegenmächte, die den Leib der Seele entfremden und die Erde dem Göttersein rauben wollen. Steiner ordnet eine Steigerung zu: Bild (Denken) – Kraft (Fühlen) – Macht (Wollen).

  • Dieser Spruch ist nicht eigenständig, sondern ausdrücklich die ‹Fortsetzung der Rede des Hüters der Schwelle› nach dem Drei-Tiere-Mantram der Ersten Stunde. Erst die Gestalt der Tiere (krummer Rücken, Spottgesicht, glasiges Auge) wurde gezeigt; nun ihre Wesensdeutung. In der App erscheint die dreistrophige Erklärung als eigene Seite (Mantram 2).
  • Das Denken: Was wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen als Denken über die äussere Welt vollziehen, ist ein Leichnam. Lebendig war es im vorirdischen Dasein; die alten Orientalen und Griechen fühlten im Denken noch das Wirken der Götter. Seit etwa 333 n. Chr. (Mitte der vierten nachatlantischen Periode) wurde es tot, und das tote Denken des 19. Jahrhunderts trieb den Materialismus an die Oberfläche der Zivilisation.
  • Das Fühlen: Es ist nicht ertötet wie das Denken, aber halb ins Unbewusste hinabgedrückt. Im Denken sind die Menschen Weltenbürger, im Fühlen nach Völkern getrennt – daraus entsteht der Streit der Welt. Ahriman, der keinen Einfluss auf das Leben des Fühlens hat, wühlt im Unbewussten und verwechselt Wahrheit und Irrtum; wer keine Selbsterkenntnis als fühlendes Wesen übt, entwickelt unbemerkt das Spottgesicht gegen die geistige Welt.
  • Das Wollen: Es liegt ganz im Unbewussten; dort sucht der Mensch die Wege seines Karma, jeder Schritt aus früheren Erdenleben abgemessen. Im Knochengeist des ersten Tieres wirkt die ahrimanische Schöpfermacht, die den eigenen Leib der Seelenkraft entfremdet und ihn den Gegenmächten weiht, die das Weltensein dem Göttersein in Zukunftzeiten rauben wollen. Steiner gibt die Steigerung Bild – Kraft – Macht (Denken/Fühlen/Wollen); nur Erkenntnismut, Erkenntnisfeuer und schaffendes Erkennen überwinden die drei Tiere. In der Zweiten Wiederholungsstunde (GA 270c) wird dieser Erläuterungs-Spruch wortgleich wiederholt.

Es ist das böse Gegenbild / Des Denkens, das in dir sich selbst / Verleugnet …

GA 270a, Zweite Stunde (22.2.1924), S. 54
Varianten und Fassungen

Dieser Erläuterungs-Spruch erscheint mehrfach im Werk. In der Zweiten Stunde (GA 270a) wird er vom Hüter eingeführt und ausführlich gedeutet; in der Dritten und Vierten Stunde wird er wiederholt. In der Zweiten Wiederholungsstunde (GA 270c, 9.9.1924) spricht ihn der Hüter erneut, ausdrücklich in der Steigerung Bild – Kraft – Macht. Der Verstext ist in allen Fassungen wortgleich; die Orthografie folgt der jeweiligen Ausgabe.

  • GA 270a, Zweite Stunde (22.2.1924) – Einführung und Deutung – Ausgangsfassung der App (Mantram 2), mit der vollständigen Hüter-Deutung.

    Des dritten Tieres glasig Auge … Des zweiten Tieres Spottgesicht … Des ersten Tieres Knochengeist …

    GA 270a, S. 53–61
  • GA 270a, Dritte Stunde (29.2.1924) – Wiederholung – Wortgleiche Wiederholung.

    Des dritten Tieres glasig Auge … (wortgleich)

    GA 270a, Dritte Stunde
  • GA 270c, Zweite Wiederholungsstunde (9.9.1924) – Wortgleich; der Hüter benennt ausdrücklich die Steigerung Bild – Kraft – Macht.

    Des dritten Tieres glasig Auge … (Steigerung Bild – Kraft – Macht: Denken / Fühlen / Wollen)

    GA 270c, S. 40–41
Zweite Stunde · Dornach · 1924-02-22 · GA 270a, S. 53–61 Wiederholung in Stunde Dritte (S. 84 ff.), Vierte Stunde; GA 270c, Zweite Wiederholungsstunde (9.9.1924), S. 40–41

Drei Strophen: Denken (glasig Auge / Gegen-Bild) – Fühlen (Spottgesicht / Gegen-Kraft) – Wollen (Knochengeist / Gegen-Macht).

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