Der Hüter spricht zum Menschen:
Sieh in dir Gedankenweben:Weltenschein erlebest du,Selbstheitsein verbirgt sich dir;Tauche unter in den Schein:Ätherwesen weht in dir;Selbstheitsein, es soll verehrenDeines Geistes Führerwesen.
Hinweis zu 3.1
Erster Spruch – Gedankenweben (Denken)
Beim Eintritt in die geistige Welt löst sich das Denken aus der Einheit. Der Spruch ruft dazu auf, das eigene Gedankenweben zu sehen, in den Schein unterzutauchen und das Selbstheitsein dem geistigen Führerwesen verehrend hinzugeben.
Erster der drei Sprüche der Dritten Stunde. Nachdem der Mensch an der Schwelle in Denken, Fühlen, Wollen auseinandertritt, gibt der Hüter für das Denken diesen Spruch: Was wir in den Gedanken erfassen, ist nicht Weltensein, sondern ‹Weltenschein›; das ‹Selbstheitsein› verbirgt sich uns. Wir sollen in den Schein untertauchen – im Bewusstsein, dass es zunächst Schein ist – und gewahr werden, dass ‹Ätherwesen› in uns weht. Die innere Tat ist das Verehren: das Selbst gibt sich dem ‹Geistes Führerwesen› hin. Der trochäische Rhythmus (stark–schwach), das Heruntersteigen vom Gipfel ins Tal, gehört wesentlich zum Spruch.
- Der Spruch steht am Beginn des praktischen Teils der Klassenstunden: nachdem in der Zweiten und Dritten Stunde die Begegnung mit dem Hüter und die Dreispaltung von Denken, Fühlen und Wollen geschildert wurden, gibt der Hüter drei ‹Richtsprüche›, die den Menschen für jede der drei Seelenkräfte in die geistige Welt hineinführen sollen.
- Inhaltlich kehrt der Blick sich nach innen: ‹Sieh in dir Gedankenweben.› Was dort flutet, ist nicht Sein, sondern ‹Weltenschein›; das eigene Ich (‹Selbstheitsein›) bleibt dunkel und verborgen. Die Aufforderung ‹Tauche unter in den Schein› ist kein Selbstbetrug, sondern ein bewusstes Eintauchen in das Scheinhafte mit dem klaren Wissen, dass es Schein ist – erst so wird man gewahr, dass ‹Ätherwesen› in einem weht, wie wenn man ein Wölkchen im Geisteswind wäre.
- Die entscheidende innere Geste ist das Verehren: nicht ein passives Getragenwerden wie beim Atem, sondern eine aktive Hingabe des Selbst an das ‹Geistes Führerwesen›. Steiner betont, dass der Spruch nicht als Verstandesinhalt wirkt, sondern durch seinen trochäischen Gang: das Heruntersteigen vom Himmlischen zum Irdischen, das der Seele die richtige ‹Blutzirkulation› im Geistesraum gibt. Wer hier jambisch statt trochäisch empfände, hätte den Hüter missverstanden.
Sieh in dir Gedankenweben: Weltenschein erlebest du …
GA 270a, Dritte Stunde (29.2.1924), S. 82
Parallelstellen
- GA 270a, Vierte Stunde (7.3.1924), S. 100 – Wiederaufnahme mit Rhythmus-Deutung – Wiederaufnahme
- GA 270a, Dritte Stunde – Schlusswiederholung der drei Sprüche, S. 90 – Wiederholung
- GA 270c, Zweite Wiederholungsstunde (9.9.1924) – Untertauch-Meditation ‹Sieh in dir Gedankenweben› – Variante (GA 270c)
- GA 270c, Dritte Wiederholungsstunde (11.9.1924) – Rhythmus-Deutung der Schein/Sein-Sprüche – Variante (GA 270c)
- GA 270c, Zweite Prager Stunde (5.4.1924) – frühe Fassung mit Rhythmus-Deutung – Variante (GA 270c)
- GA 270c, Notizen Zweite Londoner Stunde (27.8.1924) – Untertauch-Mantram mit Rhythmus-Deutung – Variante (GA 270c)
- Breslau, Zweite Stunde (13.6.1924) – frühe Fassung mit Rhythmus-Deutung – Variante (Breslau)
Varianten und Fassungen
Dieses Mantram erscheint auch in der Zweiten Wiederholungsstunde (GA 270c, 9.9.1924) als Teil der dreistrophigen Untertauch-Meditation ‹Sieh in dir Gedankenweben / Vernimm in dir Gefühle-Strömen / Laß walten in dir den Willens-Stoß›. Die 270c-Fassung ist wortgleich mit der App-Fassung aus der Dritten Stunde (GA 270a); Steiner kündigt dort an, den Spruch in der nächsten Stunde an die Tafel zu schreiben und mit allen Eigenheiten zu erklären. In der Dritten Wiederholungsstunde (GA 270c, 11.9.1924) wird der dreistrophige Spruch wortgleich wiederholt und um die Rhythmus-Lehre (trochäisch / jambisch / spondäisch) sowie die Wortsteigerung verehren–bedenken–ergreifen erweitert. Dieses Mantram wurde auch in der Zweiten Prager Stunde (GA 270c, 5.4.1924) gegeben – mit der Lehre vom Gift als Abbaukraft und der Rhythmus-Deutung (trochäisch / jambisch / spondäisch; verehren–bedenken–ergreifen). Auch in den Notizen der Zweiten Londoner Stunde (GA 270c, 27.8.1924) erscheint dieses Mantram mit der Rhythmus-Deutung; die Notizen belegen, dass Michael-Zeichen und Siegelgesten schon vor den Dornacher Wiederholungsstunden in London gegeben wurden. Auch in der Zweiten Breslauer Stunde (13. Juni 1924) erscheint dieses Mantram, eingebettet in die Deutung des Denkens als Leichnam des vorirdischen Geistig-Seelischen und die Steigerung verehren–bedenken–ergreifen.
- GA 270a, Dritte Stunde – App-Fassung 3.1 – Ausgangsfassung der App.
Sieh in dir Gedankenweben …
GA 270a, Dritte Stunde - GA 270c, Zweite Wiederholungsstunde (9.9.1924) – Untertauch-Meditation – Wortgleich; eingebettet in die dreistrophige Schein/Sein-Meditation (Denken/Fühlen/Wollen).
Sieh in dir Gedankenweben …
GA 270c, S. 43 - GA 270c, Dritte Wiederholungsstunde (11.9.1924) – Rhythmus-Deutung – In der Dritten Wiederholungsstunde (GA 270c) deutet der Hüter den Rhythmus dieses Spruches: trochäisch (Hochton–Tiefton): Herunterbewegen der geistigen Welt; Schlüsselworte ‹verehren› / ‹Führerwesen›. Die Steigerung der Schlüsselworte zeigt den Aufstieg vom Schein über das scheinende Sein zum Sein.
Sieh in dir Gedankenweben … / Vernimm in dir Gefühle-Strömen … / Laß walten in dir den Willens-Stoß … (mit Rhythmus-Lehre)
GA 270c, S. 54–57 - GA 270c, Zweite Prager Stunde (5.4.1924) – mit Rhythmus-Deutung – Frühe Prager Fassung (vor den Dornacher Stunden). Wortgleich; der Hüter deutet bereits den Rhythmus: trochäisch (Hochton–Tiefton); Schlüsselworte ‹verehren› / ‹Führerwesen›; das Denken als Schein anerkennen, das Ätherwesen verehren.
Sieh in dir Gedankenweben … / Vernimm in dir Gefühle-Strömen … / Laß walten in dir den Willens-Stoß …
GA 270c, S. 196–207 - GA 270c, Notizen Zweite Londoner Stunde (27.8.1924) – Bruchstückhafte Notizen (George Adams). Wortgleich; mit Rhythmus-Deutung (trochäisch / jambisch / spondäisch) und dem Hinweis, dass das Michael-Zeichen und die Siegelgesten schon vor den Dornacher Wiederholungsstunden in London gegeben wurden.
Sieh in dir Gedankenweben … / Vernimm in dir Gefühle-Strömen … / Laß walten in dir den Willens-Stoß …
GA 270c, S. 238–240 - Breslau, Zweite Stunde (13.6.1924) – Frühe Breslauer Fassung. Lilly Kolisko schrieb die drei Strophen dieses Mantrams in vollem Wortlaut in Langschrift mit; Wortlaut wie die App-Fassung. Mit ausführlicher Leichnam-/Ätherleib-Deutung und der Rhythmus-Erläuterung (trochäisch/jambisch/spondäisch; Berg-Bild).
Sieh in dir Gedankenweben … / Vernimm in dir Gefühle-Strömen … / Laß walten in dir den Willens-Stoß …
Die Wiederholungsstunden in Breslau (12./13.6.1924), in: Der Meditationsweg der Michaelschule, hrsg. Thomas Meyer, Perseus Verlag Basel 2016
Editorische Hinweise
-
Das Wort ‹Führerwesen› in der Zeile ‹Deines Geistes Führerwesen› ist im Plural gemeint, wie aus den weiteren Darstellungen Rudolf Steiners hervorgeht.
GA 270a, Hinweis zu S. 79; GA 270c, Hinweis zu S. 51
Von der Tafel ‹von rückwärts her› angeschrieben; der trochäische Gang (stark–schwach) ist Teil des Mantrams.
Zur Vortragsstelle →Vernimm in dir Gefühle-Strömen:Es mengen Schein und Sein sich dir,Die Selbstheit neigt dem Scheine sich;So tauche unter in scheinendes Sein:Und Welten-Seelenkräfte sind in dir;Die Selbstheit, sie soll bedenkenDer eignen Seele Lebensmächte.
Hinweis zu 3.2
Zweiter Spruch – Gefühle-Strömen (Fühlen)
Für das Fühlen: Hier mengen sich Schein und Sein. Das Selbst neigt zum Schein, soll aber in das ‹scheinende Sein› untertauchen und die Lebensmächte der eigenen Seele bedenken.
Der zweite Spruch wendet den Blick vom Denken zum Fühlen. War im Denken ‹alles nur Schein›, so mengen sich im Fühlen Schein und Sein. Das Ich, gewohnt an den äußeren Sinnenschein, neigt sich dem Scheine zu; doch im ‹scheinenden Sein› stoßen wir auf den ‹Fels des Seins›, auf ‹Welten-Seelenkräfte›. Die innere Geste steigert sich von ‹verehren› (1. Spruch) zu ‹bedenken›: der Gedanke wird ins Gefühl hinuntergetragen. Der Rhythmus ist jambisch (schwach–stark): ein Aufsteigen aus dem Tal zu den Göttern, die entgegengesetzte Wellenbewegung zum ersten Spruch.
- Der mittlere der drei Sprüche behandelt das Fühlen, das in der Dreispaltung ‹hinter die Erinnerungen›, vor die Geburt zurückgeht. Während das Denken sich in die Weltenweiten zerstreut, führt das Fühlen unmittelbar in die geistige Welt zwischen Tod und neuer Geburt.
- Steiner hebt die Steigerung der drei Verben hervor: ‹verehren› (man schaut von außen auf), ‹bedenken› (man nähert sich, tritt schon ein), ‹ergreifen› (man nimmt es an sich). Im zweiten Spruch ist man also schon näher als im ersten; das Gefühl trägt den Gedanken in sich.
- Der jambische Gang ist hier nicht Stilmittel, sondern Methode: Fühlen heißt, ‹wie auf einer geistigen Leiter› von unten nach oben zu den Göttern aufzusteigen. Ein trochäischer Spruch für die Gefühlswelt wäre, so Steiner, ein Missverständnis des Hüters.
Es mengen Schein und Sein sich dir …
GA 270a, Dritte Stunde (29.2.1924), S. 83
Parallelstellen
- GA 270a, Vierte Stunde (7.3.1924), S. 100 – Wiederaufnahme – Wiederaufnahme
- GA 270c, Zweite Wiederholungsstunde (9.9.1924) – Untertauch-Meditation ‹Sieh in dir Gedankenweben› – Variante (GA 270c)
- GA 270c, Dritte Wiederholungsstunde (11.9.1924) – Rhythmus-Deutung der Schein/Sein-Sprüche – Variante (GA 270c)
- GA 270c, Zweite Prager Stunde (5.4.1924) – frühe Fassung mit Rhythmus-Deutung – Variante (GA 270c)
- GA 270c, Notizen Zweite Londoner Stunde (27.8.1924) – Untertauch-Mantram mit Rhythmus-Deutung – Variante (GA 270c)
- Breslau, Zweite Stunde (13.6.1924) – frühe Fassung mit Rhythmus-Deutung – Variante (Breslau)
Varianten und Fassungen
Dieses Mantram erscheint auch in der Zweiten Wiederholungsstunde (GA 270c, 9.9.1924) als Teil der dreistrophigen Untertauch-Meditation ‹Sieh in dir Gedankenweben / Vernimm in dir Gefühle-Strömen / Laß walten in dir den Willens-Stoß›. Die 270c-Fassung ist wortgleich mit der App-Fassung aus der Dritten Stunde (GA 270a); Steiner kündigt dort an, den Spruch in der nächsten Stunde an die Tafel zu schreiben und mit allen Eigenheiten zu erklären. In der Dritten Wiederholungsstunde (GA 270c, 11.9.1924) wird der dreistrophige Spruch wortgleich wiederholt und um die Rhythmus-Lehre (trochäisch / jambisch / spondäisch) sowie die Wortsteigerung verehren–bedenken–ergreifen erweitert. Dieses Mantram wurde auch in der Zweiten Prager Stunde (GA 270c, 5.4.1924) gegeben – mit der Lehre vom Gift als Abbaukraft und der Rhythmus-Deutung (trochäisch / jambisch / spondäisch; verehren–bedenken–ergreifen). Auch in den Notizen der Zweiten Londoner Stunde (GA 270c, 27.8.1924) erscheint dieses Mantram mit der Rhythmus-Deutung; die Notizen belegen, dass Michael-Zeichen und Siegelgesten schon vor den Dornacher Wiederholungsstunden in London gegeben wurden. Auch in der Zweiten Breslauer Stunde (13. Juni 1924) erscheint dieses Mantram, eingebettet in die Deutung des Denkens als Leichnam des vorirdischen Geistig-Seelischen und die Steigerung verehren–bedenken–ergreifen.
- GA 270a, Dritte Stunde – App-Fassung 3.2 – Ausgangsfassung der App.
Vernimm in dir Gefühle-Strömen …
GA 270a, Dritte Stunde - GA 270c, Zweite Wiederholungsstunde (9.9.1924) – Untertauch-Meditation – Wortgleich; eingebettet in die dreistrophige Schein/Sein-Meditation (Denken/Fühlen/Wollen).
Vernimm in dir Gefühle-Strömen …
GA 270c, S. 43 - GA 270c, Dritte Wiederholungsstunde (11.9.1924) – Rhythmus-Deutung – In der Dritten Wiederholungsstunde (GA 270c) deutet der Hüter den Rhythmus dieses Spruches: jambisch (Tiefton–Hochton): Hinaufstreben mit dem Gefühl; Schlüsselworte ‹bedenken› / ‹Lebensmächte›. Die Steigerung der Schlüsselworte zeigt den Aufstieg vom Schein über das scheinende Sein zum Sein.
Sieh in dir Gedankenweben … / Vernimm in dir Gefühle-Strömen … / Laß walten in dir den Willens-Stoß … (mit Rhythmus-Lehre)
GA 270c, S. 54–57 - GA 270c, Zweite Prager Stunde (5.4.1924) – mit Rhythmus-Deutung – Frühe Prager Fassung (vor den Dornacher Stunden). Wortgleich; der Hüter deutet bereits den Rhythmus: jambisch (Tiefton–Hochton); Schlüsselworte ‹bedenken› / ‹Lebensmächte›; im Fühlen mengen sich Schein und Sein.
Sieh in dir Gedankenweben … / Vernimm in dir Gefühle-Strömen … / Laß walten in dir den Willens-Stoß …
GA 270c, S. 196–207 - GA 270c, Notizen Zweite Londoner Stunde (27.8.1924) – Bruchstückhafte Notizen (George Adams). Wortgleich; mit Rhythmus-Deutung (trochäisch / jambisch / spondäisch) und dem Hinweis, dass das Michael-Zeichen und die Siegelgesten schon vor den Dornacher Wiederholungsstunden in London gegeben wurden.
Sieh in dir Gedankenweben … / Vernimm in dir Gefühle-Strömen … / Laß walten in dir den Willens-Stoß …
GA 270c, S. 238–240 - Breslau, Zweite Stunde (13.6.1924) – Frühe Breslauer Fassung. Lilly Kolisko schrieb die drei Strophen dieses Mantrams in vollem Wortlaut in Langschrift mit; Wortlaut wie die App-Fassung. Mit ausführlicher Leichnam-/Ätherleib-Deutung und der Rhythmus-Erläuterung (trochäisch/jambisch/spondäisch; Berg-Bild).
Sieh in dir Gedankenweben … / Vernimm in dir Gefühle-Strömen … / Laß walten in dir den Willens-Stoß …
Die Wiederholungsstunden in Breslau (12./13.6.1924), in: Der Meditationsweg der Michaelschule, hrsg. Thomas Meyer, Perseus Verlag Basel 2016
Steigerung gegenüber dem ersten Spruch: ‹verehren› wird zu ‹bedenken›.
Zur Vortragsstelle →Lass walten in dir den Willens-Stoß:Der steigt aus allem ScheineswesenMit Eigensein erschaffend auf;Ihm wende zu all dein Leben:Der ist erfüllt von Welten-Geistesmacht;Dein Eigensein, es soll ergreifenWeltschöpfermacht im Geistes-Ich.
Hinweis zu 3.3
Dritter Spruch – Willens-Stoß (Wollen)
Für das Wollen: Aus allem Scheineswesen steigt erschaffend der Willens-Stoß; ihm soll alles Leben zugewandt werden, damit das Eigensein die Weltschöpfermacht im Geistes-Ich ergreift.
Der dritte und stärkste Spruch gilt dem Wollen, das in der Dreispaltung am tiefsten zurückführt – in die vorigen Erdenleben. Aus allem ‹Scheineswesen› steigt, mit Eigensein erschaffend, der Willens-Stoß auf; ihm soll man alles Leben zuwenden, denn er ist ‹erfüllt von Welten-Geistesmacht›. Die innere Geste erreicht ihre höchste Stufe: nicht mehr verehren oder bedenken, sondern ‹ergreifen› – man tritt heran und nimmt die ‹Weltschöpfermacht› an sich. Der spondäische Gang (zwei betonte Silben) entspricht der unmittelbaren Kraftwirkung des Willens.
- Mit dem dritten Spruch schließt die mantrische Trias der Dritten Stunde. Das Wollen ist diejenige Seelenkraft, die in der Spaltung am weitesten zurückführt: bis in frühere Erdenleben. Hier wirkt nach Steiner am stärksten die Gefahr, Schein für Wirklichkeit zu nehmen.
- Steiner hebt grammatisch hervor, dass ‹Der steigt aus allem Scheineswesen› kein Artikel, sondern ein Relativpronomen ist (‹welcher steigt›): aus dem Willen erkraftet sich dasjenige auf, was dem Eigensein Substanz und Inhalt gibt.
- Die drei Sprüche bilden eine Steigerung in den Verben (verehren – bedenken – ergreifen), in den Zielworten (Führerwesen – Lebensmächte – Weltschöpfermacht) und in den Rhythmen (Trochäus – Jambus – Spondeus). Erst die Hingabe an den Rhythmus, nicht an den Verstandessinn, ermöglicht es, die physische Welt zu verlassen.
Dein Eigensein, es soll ergreifen Weltschöpfermacht …
GA 270a, Dritte Stunde (29.2.1924), S. 90
Parallelstellen
- GA 270a, Vierte Stunde (7.3.1924), S. 101 – Wiederaufnahme – Wiederaufnahme
- GA 270c, Zweite Wiederholungsstunde (9.9.1924) – Untertauch-Meditation ‹Sieh in dir Gedankenweben› – Variante (GA 270c)
- GA 270c, Dritte Wiederholungsstunde (11.9.1924) – Rhythmus-Deutung der Schein/Sein-Sprüche – Variante (GA 270c)
- GA 270c, Zweite Prager Stunde (5.4.1924) – frühe Fassung mit Rhythmus-Deutung – Variante (GA 270c)
- GA 270c, Notizen Zweite Londoner Stunde (27.8.1924) – Untertauch-Mantram mit Rhythmus-Deutung – Variante (GA 270c)
- Breslau, Zweite Stunde (13.6.1924) – frühe Fassung mit Rhythmus-Deutung – Variante (Breslau)
Varianten und Fassungen
Dieses Mantram erscheint auch in der Zweiten Wiederholungsstunde (GA 270c, 9.9.1924) als Teil der dreistrophigen Untertauch-Meditation ‹Sieh in dir Gedankenweben / Vernimm in dir Gefühle-Strömen / Laß walten in dir den Willens-Stoß›. Die 270c-Fassung ist wortgleich mit der App-Fassung aus der Dritten Stunde (GA 270a); Steiner kündigt dort an, den Spruch in der nächsten Stunde an die Tafel zu schreiben und mit allen Eigenheiten zu erklären. In der Dritten Wiederholungsstunde (GA 270c, 11.9.1924) wird der dreistrophige Spruch wortgleich wiederholt und um die Rhythmus-Lehre (trochäisch / jambisch / spondäisch) sowie die Wortsteigerung verehren–bedenken–ergreifen erweitert. Dieses Mantram wurde auch in der Zweiten Prager Stunde (GA 270c, 5.4.1924) gegeben – mit der Lehre vom Gift als Abbaukraft und der Rhythmus-Deutung (trochäisch / jambisch / spondäisch; verehren–bedenken–ergreifen). Auch in den Notizen der Zweiten Londoner Stunde (GA 270c, 27.8.1924) erscheint dieses Mantram mit der Rhythmus-Deutung; die Notizen belegen, dass Michael-Zeichen und Siegelgesten schon vor den Dornacher Wiederholungsstunden in London gegeben wurden. Auch in der Zweiten Breslauer Stunde (13. Juni 1924) erscheint dieses Mantram, eingebettet in die Deutung des Denkens als Leichnam des vorirdischen Geistig-Seelischen und die Steigerung verehren–bedenken–ergreifen.
- GA 270a, Dritte Stunde – App-Fassung 3.3 – Ausgangsfassung der App.
Laß walten in dir den Willens-Stoß …
GA 270a, Dritte Stunde - GA 270c, Zweite Wiederholungsstunde (9.9.1924) – Untertauch-Meditation – Wortgleich; eingebettet in die dreistrophige Schein/Sein-Meditation (Denken/Fühlen/Wollen).
Laß walten in dir den Willens-Stoß …
GA 270c, S. 43 - GA 270c, Dritte Wiederholungsstunde (11.9.1924) – Rhythmus-Deutung – In der Dritten Wiederholungsstunde (GA 270c) deutet der Hüter den Rhythmus dieses Spruches: spondäisch (zwei Hochtöne): unmittelbar neben dem Sein; Schlüsselworte ‹ergreifen› / ‹Weltschöpfermacht›. Die Steigerung der Schlüsselworte zeigt den Aufstieg vom Schein über das scheinende Sein zum Sein.
Sieh in dir Gedankenweben … / Vernimm in dir Gefühle-Strömen … / Laß walten in dir den Willens-Stoß … (mit Rhythmus-Lehre)
GA 270c, S. 54–57 - GA 270c, Zweite Prager Stunde (5.4.1924) – mit Rhythmus-Deutung – Frühe Prager Fassung (vor den Dornacher Stunden). Wortgleich; der Hüter deutet bereits den Rhythmus: spondäisch (Hochton–Hochton); Schlüsselworte ‹ergreifen› / ‹Weltschöpfermacht›; im Wollen Feuer im Feuer.
Sieh in dir Gedankenweben … / Vernimm in dir Gefühle-Strömen … / Laß walten in dir den Willens-Stoß …
GA 270c, S. 196–207 - GA 270c, Notizen Zweite Londoner Stunde (27.8.1924) – Bruchstückhafte Notizen (George Adams). Wortgleich; mit Rhythmus-Deutung (trochäisch / jambisch / spondäisch) und dem Hinweis, dass das Michael-Zeichen und die Siegelgesten schon vor den Dornacher Wiederholungsstunden in London gegeben wurden.
Sieh in dir Gedankenweben … / Vernimm in dir Gefühle-Strömen … / Laß walten in dir den Willens-Stoß …
GA 270c, S. 238–240 - Breslau, Zweite Stunde (13.6.1924) – Frühe Breslauer Fassung. Lilly Kolisko schrieb die drei Strophen dieses Mantrams in vollem Wortlaut in Langschrift mit; Wortlaut wie die App-Fassung. Mit ausführlicher Leichnam-/Ätherleib-Deutung und der Rhythmus-Erläuterung (trochäisch/jambisch/spondäisch; Berg-Bild).
Sieh in dir Gedankenweben … / Vernimm in dir Gefühle-Strömen … / Laß walten in dir den Willens-Stoß …
Die Wiederholungsstunden in Breslau (12./13.6.1924), in: Der Meditationsweg der Michaelschule, hrsg. Thomas Meyer, Perseus Verlag Basel 2016
‹Der› in Zeile 2 ist kein Artikel, sondern Relativ (‹welcher›) – ausdrücklich von Steiner erläutert.
Zur Vortragsstelle →