Mantren 4 Geschichte der Verwandlung Tiefe–Weite–Höhe

Der Hüter belehrt Wollen, Fühlen, Denken:

Fühle wie die ErdentiefenIhre Kräfte deinem WesenIn die Leibesglieder drängen.Du verlierest dich in ihnen,Wenn du deinen Willen machtlosIhrem Streben anvertrauest;Sie verfinstern dir das Ich.

Hinweis zu 4.1

Erstes Mantram – Erdentiefen (Tiefen)

Die Erdentiefen drängen ihre Kräfte in die Leibesglieder. Vertraut man ihnen den Willen machtlos an, verfinstern sie das Ich – das Hinunterziehende ins Untermenschliche.

Erstes der drei Mantren, mit denen sich das Eins-Fühlen mit der Welt in die Seele prägen soll. Der Blick geht nach unten, zur Erde: ihre Kräfte drängen in die Leibesglieder. Überlässt man ihnen machtlos den Willen, ‹verfinstern sie das Ich› – hier liegt, was den Menschen ins Untermenschliche zieht, was Triebe und Leidenschaften nährt. Im ehrlichen Gestehen dieses Hinunterziehenden entwickelt man sich zum wahren Menschen. Das Mantram ist der Gegenpol zum dritten Tier (dem ‹glasig Auge› des Denkens).

  • In der Vierten Stunde stellt Steiner dem dreifachen Blick – hinunter, in die Weiten, hinauf – drei Mantren zur Seite, durch die sich das ‹Eins-Fühlen mit allem äußeren Dasein› tief einprägen kann. Das erste betrifft die Erdentiefen.
  • Die Erde wird hier nicht naturkundlich, sondern moralisch gesehen: dieselbe Schwerkraft, die den Stein zur Erde zieht, lebt in uns als das, was ‹uns unter den Menschen herunterziehen› und das Ich verfinstern will. Das Mantram fordert nicht Verdrängung, sondern bewusstes, ehrliches Gestehen dieser Verwandtschaft.
  • In der großen Gegenüberstellung der Stunde wird dieses Mantram neben das dritte Tier gestellt: beide schildern das Hinunterziehende, das eine konkret als Tier, das andere als Aufforderung, dessen gewahr zu werden. ‹Erblickst du des dritten Tieres glasig Auge, stehe fest und fühle, was die Erdentiefen von dir wollen.›

Sie verfinstern dir das Ich.

GA 270a, Vierte Stunde (7.3.1924), S. 104
Varianten und Fassungen

Die Dritte Wiederholungsstunde (GA 270c, 11.9.1924) wiederholt das dreistrophige Mantram wortgleich und ordnet es kosmisch ein: Wille nach unten, Fühlen in die Weiten, Denken in die Höhen.

  • GA 270c, Dritte Wiederholungsstunde (11.9.1924) – kosmische Einordnung – Der Hüter weist den Willen nach unten – Erdentiefen, die mit Schwere ziehen und das Ich verfinstern, wenn der Wille machtlos folgt.

    Fühle wie die Erdentiefen … / Fühle wie aus Weltenweiten … / Fühle wie in Himmelshöhen …

    GA 270c, S. 57–61
Vierte Stunde · Dornach · 1924-03-07 · GA 270a, S. 103–104 Wiederholung in Stunde 109

In der Gegenüberstellung dem dritten Tier (‹glasig Auge›) entgegengestellt.

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Fühle wie aus WeltenweitenGöttermächte ihre GeisteshelleDir ins Seelenwesen leuchten lassen.Finde dich in ihnen liebend,Und sie schaffen weisheitwebendDich als Selbst in ihren KreisenStark zum guten Geistesschaffen.

Hinweis zu 4.2

Zweites Mantram – Weltenweiten (Weiten)

Aus den Weltenweiten lassen Göttermächte ihre Geisteshelle ins Seelenwesen leuchten. Findet man sich liebend in ihnen, schaffen sie das Selbst stark zum guten Geistesschaffen.

Das zweite Mantram wendet den Blick in die Weiten, in den Umkreis der Erde, den das Licht durchwellt. Lernt man das Sonnenlicht lieben ‹warm wie einen Freund›, so wird es zum ‹Göttergewande›: Götter wandeln im Leuchtegewande über die Erde und bringen ihre Weisheit in die Menschenseele. Findet man sich ‹in ihnen liebend›, so schaffen sie weisheitwebend das Selbst ‹stark zum guten Geistesschaffen›. Gegenpol ist das zweite Tier, das Spottgesicht des Fühlens, das durch den hellen Sonnenschein ausgelöscht wird.

  • Das mittlere Mantram führt vom Tiefenbewusstsein zum Weitenbewusstsein. Es ist schon eine Erhebung über die hinunterziehenden Erdenkräfte: durch Atem und Licht kann der Mensch nicht so leicht böse werden wie durch die Erdentiefen-Kräfte.
  • Steiner schildert die Verwandlung des bloßen Sonnenlichts in ein Göttergewand: erst wenn man liebend wird, hört das Licht auf, nur physisch zu scheinen, und wird zum Träger der Götterweisheit. Die Götter wollen den Menschen nicht auf der Erde allein lassen, sondern in ihre Kreise ziehen, schon während des Erdenwandelns.
  • In der Gegenüberstellung ist die Stimmung gegenüber dem zweiten Tier völlig verschieden: ‹Schaust du des zweiten Tieres Spottgesicht, empfange liebend Sonnenlicht.› Der helle Sonnenschein, geistig ergriffen, löscht das Spottgesicht aus.

Finde dich in ihnen liebend …

GA 270a, Vierte Stunde (7.3.1924), S. 105
Varianten und Fassungen

Die Dritte Wiederholungsstunde (GA 270c, 11.9.1924) wiederholt das dreistrophige Mantram wortgleich und ordnet es kosmisch ein: Wille nach unten, Fühlen in die Weiten, Denken in die Höhen.

  • GA 270c, Dritte Wiederholungsstunde (11.9.1924) – kosmische Einordnung – Der Hüter weist das Fühlen in die horizontalen Weltenweiten – Göttermächte senden Geisteshelle; liebend findet man sich, weisheitwebend wird man Selbst.

    Fühle wie die Erdentiefen … / Fühle wie aus Weltenweiten … / Fühle wie in Himmelshöhen …

    GA 270c, S. 57–61
Vierte Stunde · Dornach · 1924-03-07 · GA 270a, S. 105–107 Wiederholung in Stunde 110

Dem zweiten Tier (‹Spottgesicht›) entgegengestellt.

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Fühle wie in HimmelshöhenSelbstsein selbstlos leben kann,Wenn es geisterfüllt GedankenmächtenIn dem Höhenstreben folgen willUnd in Tapferkeit das Wort vernimmt,Das von oben gnadevoll ertönetIn des Menschen wahre Wesenheit.

Hinweis zu 4.3

Drittes Mantram – Himmelshöhen (Höhen)

In den Himmelshöhen kann Selbstsein selbstlos leben, wenn es geisterfüllt den Gedankenmächten folgt und in Tapferkeit das von oben gnadevoll ertönende Wort vernimmt.

Das dritte Mantram richtet den Blick nach oben. Steht man nachts unter dem Sternenhimmel, so zerfließt der eine Punkt, an dem man steht und den man für das eigene Selbst hält; das enge ‹Selbstsein› wird selbstlos, unendlich verbreitet in den Höhen. Wer den Gedanken folgen kann und ‹in Tapferkeit das Wort vernimmt, das von oben gnadevoll ertönet›, wächst mit dem aus den Höhen tönenden Wort zusammen. Gegenpol ist das erste Tier, der Knochengeist des Wollens, dessen Erstarrung nur durch das warme Erheben des Herzens zu den Himmelshöhen überwunden wird.

  • Das letzte der drei Mantren vollendet das dreifache Bewusstsein. Steiner empfiehlt ausdrücklich das Bild des sternbedeckten Nachthimmels: das Aufschauen, bei dem der Standpunkt des engen Ich sich zur Halbkugel ausbreitet und selbstlos wird.
  • Wer zuvor gefühlt hat, wie mit dem Sonnenlicht Götter ein- und ausziehen, kann nun auch das ‹von oben gnadevoll ertönende Wort› vernehmen – nicht passiv, sondern ‹in Tapferkeit›, mit dem Mut, den Steiner als notwendige Seeleneigenschaft betont.
  • In der Gegenüberstellung steht dieses Mantram dem ersten Tier gegenüber, dessen ‹Knochengeist› uns erstarren lässt: ‹Erstarrst du durch des ersten Tieres Knochengeist, erwarme menschlich als Mensch, indem du zu den Himmelshöhen das Herz warm erhebest.› Wie wenn man im Feuer aufsteigen wollte, so steht der tröstende Spruch dem erstarrenden Bild gegenüber.

Fühle wie in Himmelshöhen Selbstsein selbstlos leben kann …

GA 270a, Vierte Stunde (7.3.1924), S. 108
Varianten und Fassungen

Die Dritte Wiederholungsstunde (GA 270c, 11.9.1924) wiederholt das dreistrophige Mantram wortgleich und ordnet es kosmisch ein: Wille nach unten, Fühlen in die Weiten, Denken in die Höhen.

  • GA 270c, Dritte Wiederholungsstunde (11.9.1924) – kosmische Einordnung – Der Hüter weist das Denken in die Himmelshöhen – Selbstsein selbstlos; in Tapferkeit das von oben gnadevoll ertönende Wort vernehmen.

    Fühle wie die Erdentiefen … / Fühle wie aus Weltenweiten … / Fühle wie in Himmelshöhen …

    GA 270c, S. 57–61
Vierte Stunde · Dornach · 1924-03-07 · GA 270a, S. 107–108 Wiederholung in Stunde 111

Dem ersten Tier (‹Knochengeist›) entgegengestellt.

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