Der Hüter wird in der sich hellenden Finsternis gehört also:
Sieh hinter des Denkens Sinneslicht,Wie in der finstren GeisteszelleWollen sich hebt aus Leibestiefen;Lasse fließen durch deiner Seele StärkeTotes Denken in das Weltennichts;Und das Wollen, es erstehetAls Weltgedankenschaffen.
Hinweis zu 8.2
Erstes Mantram – Sieh hinter des Denkens Sinneslicht
Hinter dem toten Sinnesdenken, in der finstren Geisteszelle, hebt sich Wollen aus Leibestiefen; lässt man totes Denken ins Weltennichts fließen, ersteht das Wollen als Weltgedankenschaffen.
Erstes der drei vertiefenden Mantren der Achten Stunde. Das Denken hier auf Erden ist ein ‹Leichnam›; gelebt hat es im vorirdischen Dasein, der Leib ist sein Grab. Schaut man hinter das auf die Sinne gerichtete tote Denken, so ist in der ‹Geisteszelle› des Hauptes das lebendige Denken, das das Gehirn erst gebildet hat – es ist wie ein Wollen. Lässt man ‹durch deiner Seele Stärke› das tote Denken ins Weltennichts verfließen, ersteht das Wollen ‹als Weltgedankenschaffen›. In sieben Zeilen liegt das Geheimnis des menschlichen Denkens.
- Die Achte Stunde vertieft die Umkehrung der Siebenten. Das Gehirn ist nicht der Erzeuger des Denkens, sondern das Produkt des vorgeburtlichen lebendigen Denkens.
- Die Imagination, die vor der Seele stehen soll: vom Kopf strahlt das gedankentote, auf die Sinne gerichtete Denken aus; dahinter, zunächst als Finsternis, das wahre Denken, das wie ein Wollen heraufsteigt und sich im Haupte zum Weltendenken ausbreitet.
- Steiner betont, man dürfe diese Dinge nicht mit dem Intellekt auffassen, sondern müsse sie im Gemüte als Meditation leben lassen; die Worte sind harmonisch gebaut, damit sie auf das imaginative Bewusstsein wirken. Die Wandtafel der Achten Stunde dient als Meditationshilfe.
Und das Wollen, es erstehet als Weltgedankenschaffen.
GA 270a, Achte Stunde (18.4.1924), S. 208
Parallelstellen
- GA 270a, Achte Stunde – das tote Denken, S. 206–207 – Hinführung
- GA 270a, Siebente Stunde – die Umkehrung (Grundlage) – Grundlage
- GA 270a, Achte Stunde – Wandtafelzeichnung – Tafelbild
- GA 270c, Siebente Wiederholungsstunde (20.9.1924) – erstes Hüter-Wort jenseits der Schwelle (Merkbild Mondessichel) – Variante (GA 270c)
Varianten und Fassungen
Dieses Mantram erscheint auch in der Siebenten Wiederholungsstunde (GA 270c, 20.9.1924) als erstes Wort, das der Hüter jenseits der Schwelle spricht; begleitet vom Merkbild der Mondessichel (das aus vorigem Erdendasein Herüberkraftende). Steiner deutet die Wortsteigerung gegenüber den folgenden Strophen aus.
- GA 270c, Siebente Wiederholungsstunde (20.9.1924) – Wortgleich zur App-Fassung der Achten Stunde. Auf der Tafel der Siebenten Wiederholungsstunde ist zusätzlich ‹Sinneslicht› unterstrichen; die Unterstreichung von ‹fließen› fehlt dort.
Sieh hinter des Denkens Sinneslicht, / Wie in der finstern Geisteszelle / Wollen sich hebt aus Leibestiefen; … Und das Wollen, es erstehet / Als Weltgedankenschaffen.
GA 270c, S. 153–161; Tafeltexte S. 165; Tafel (GA 270i)
Schlüsselworte harmonisch gebaut: Denken – Wollen – Weltennichts – Wollen – Weltgedankenschaffen.
Zur Vortragsstelle →Sieh in des Fühlens Seelenweben,Wie in dem TräumedämmernLeben aus Weltenfernen strömt;Lass in Schlaf durch die HerzensruheMenschenfühlen still verwehen;Und das Weltenleben geistertAls Menschenwesensmacht.
Hinweis zu 8.3
Zweites Mantram – Sieh in des Fühlens Seelenwehen
Im Seelenwehen des Fühlens, wie im Träumedämmern, strömt Leben aus Weltenfernen; verweht das Menschenfühlen still in Herzensruhe, geistert das Weltenleben als Menschenwesensmacht.
Das zweite vertiefende Mantram betrifft das Fühlen, dessen physischer Repräsentant das Herz ist. Anders als beim Denken (‹hinter›) schaut man hier ‹in› das Fühlen: das Fühlen ist nur ein wachendes Träumen, die Gefühle werden so bewusst wie Traumbilder. Verweht das einzelne Menschenfühlen ganz in Schlaf durch die ‹Herzensruhe›, dann strömt ‹Leben aus Weltenfernen› herein und ‹das Weltenleben geistert als Menschenwesensmacht›. Während das Denken Seelenstärke braucht, braucht das Fühlen innere vollständige Beruhigung.
- Wie beim Denken liegt auch im Fühlen ein ‹ganzes Geheimnis› in den sieben Zeilen: wie sich das Fühlen aus der Einheit in die Dreiheit verselbständigen kann.
- Der Gegensatz zum ersten Mantram ist methodisch wichtig: dort hebt sich Wollen aus Leibestiefen herauf; hier strömt Leben aus Weltenfernen herein. Dort Seelenstärke, hier Herzensruhe.
- Das Bild: verweht das Träumen des Fühlens ganz in Schlaf, so webt göttliches Weltenleben in das menschliche Seelische herein. Die Wandtafel der Achten Stunde dient als Meditationshilfe.
Und das Weltenleben geistert als Menschenwesensmacht.
GA 270a, Achte Stunde (18.4.1924), S. 210
Parallelstellen
- GA 270a, Achte Stunde – Fühlen als wachendes Träumen, S. 209–210 – Hinführung
- GA 270a, Achte Stunde – Wandtafelzeichnung – Tafelbild
- GA 270c, Siebente Wiederholungsstunde (20.9.1924) – Fassung ‹Seelenweben› / ‹strömet› – Variante (GA 270c)
Varianten und Fassungen
Von der zweiten Strophe gibt es zwei dokumentierte Fassungen: die App-Fassung der Achten Stunde (11.4./18.4.1924) mit ‹Seelenwehen› und ‹strömt›; die Fassung der Siebenten Wiederholungsstunde (GA 270c, 20.9.1924) mit ‹Seelenweben› und ‹strömet›. Steiner deutet die Wortsteigerung ‹hinter›→‹in›, ‹Sinneslicht›→‹Seelenweben›, ‹Wollen aus Leibestiefen›→‹Leben aus Weltenfernen›; Merkbild: das sich drehende Sonnenbild (Zusammenziehung des Ätherleibs).
- GA 270c, Siebente Wiederholungsstunde (20.9.1924) – Fassung ‹Seelenweben› – Textvariante: Die Siebente Wiederholungsstunde hat ‹Sieh in des Fühlens Seelenweben› und ‹Leben aus Weltenfernen strömet›. In der Achten Stunde (erster Band, GA 270a; App-Fassung) wurde an die Tafel geschrieben ‹Seelenwehen› (statt ‹Seelenweben›) und ‹strömt› (statt ‹strömet›).
Sieh in des Fühlens Seelenweben, / Wie in dem Träumedämmern / Leben aus Weltenfernen strömet; … Und das Weltenleben geistert / Als Menschenwesensmacht.
GA 270c, S. 156–161; Tafeltexte S. 165
Editorische Hinweise
-
Rudolf Steiner wechselte zwischen ‹Seelenweben› und ‹Seelenwehen›: in der Achten Stunde wurde an die Tafel ‹Seelenwehen›, in der Siebenten Wiederholungsstunde ‹Seelenweben› geschrieben; auch beim Sprechen wechselte er, und beide Formen finden sich in den handschriftlichen Vorlagen.
GA 270a, Hinweis zu S. 209
Hier heißt es ‹in›, nicht ‹hinter› (wie beim Denken): das Fühlen wird durchschaut.
Zur Vortragsstelle →Sieh über des Wollens Leibeswirken,Wie in schlafende WirkensfelderDenken sich senkt aus Haupteskräften;Lass durch die Seelenschau zu LichtMenschenwollen sich verwandlen;Und das Denken, es erscheinetAls Willenszauberwesen.
Hinweis zu 8.4
Drittes Mantram – Sieh über des Wollens Leibeswirken
Über dem Leibeswirken des Wollens senkt sich Denken aus Haupteskräften in die schlafenden Wirkensfelder; verwandelt sich Menschenwollen zu Licht, erscheint das Denken als Willenszauberwesen.
Das dritte vertiefende Mantram betrifft das Wollen. Hier heißt es nicht ‹hinter› oder ‹in›, sondern ‹über›: vom Haupte senkt sich – im gewöhnlichen Bewusstsein unsichtbar – das Denken in die Glieder, damit dort das Wollen wirken kann. Sieht man in jeder Arm- und Beinbewegung den Strom des Wollens, so lebt darin ein geheimes Denken: unser Wesen aus früheren Erdenleben, das durch die Glieder das irdische Dasein ergreift. Dieses Denken strömt als Licht durch Arme und Zehen; es ‹zaubert›, wirkt magisch – das ist wahre Magie.
- Das letzte der drei Mantren der Achten Stunde vollendet die Reihe hinter (Denken) – in (Fühlen) – über (Wollen). Im Wollen der Glieder lebt ein verborgenes Denken.
- Steiner deutet dies karmisch: es ist im Grunde unser Wesen aus früheren Erdenleben, das durch die Glieder das gegenwärtige Dasein ergreift. Denken senkt sich herunter in die Glieder; sieht man es dort, erblickt man im Wollen das Denken.
- Der Begriff des ‹Willenszauberwesens›: das unsichtbare Denken wirkt magisch im Willen der Glieder. Wer das erschaut, versteht erst wahre Magie. Mit der Schlusswiederholung der drei Mantren endet die Stunde. Die Wandtafel der Achten Stunde dient als Meditationshilfe.
Und das Denken, es erscheinet als Willenszauberwesen.
GA 270a, Achte Stunde (18.4.1924), S. 213
Parallelstellen
- GA 270a, Achte Stunde – das Willenszauberwesen, S. 212–213 – Hinführung
- GA 270a, Achte Stunde – Schlusswiederholung der drei, S. 214 – Wiederholung
- GA 270a, Achte Stunde – Wandtafelzeichnung – Tafelbild
- GA 270c, Siebente Wiederholungsstunde (20.9.1924) – drittes Hüter-Wort (Merkbild Erde) – Variante (GA 270c)
Varianten und Fassungen
Dieses Mantram erscheint auch in der Siebenten Wiederholungsstunde (GA 270c, 20.9.1924) als drittes Hüter-Wort; begleitet vom Merkbild der Erde mit aufsteigenden Schwerkräften (Ahnung vom Zusammenwirken der Götter mit Menschen zwischen Tod und neuer Geburt).
- GA 270c, Siebente Wiederholungsstunde (20.9.1924) – Wortgleich zur App-Fassung der Achten Stunde. Auf der Tafel der Siebenten Wiederholungsstunde fehlen die Unterstreichungen von ‹Wollens› und ‹verwandlen›.
Sieh über des Wollens Leibeswirken, / Wie in schlafende Wirkensfelder / Denken sich senkt aus Haupteskräften; … Und das Denken, es erscheinet / Als Willenszauberwesen.
GA 270c, S. 159–161; Tafeltexte S. 165
Hier heißt es ‹über› – vom Haupte senkt sich Denken in die Glieder herab.
Zur Vortragsstelle →