Mantren 9.1 Leib in neuer Umgebung Ruhesterne

Die Lehre des Hüters:

Leben

O Mensch,ertaste in deines Leibes ganzem Sein,Wie Erdenkräfte dir im Dasein Stütze sind.

O Mensch,erlebe in deines Tastens ganzem Kreis,Wie Wasserwesen dir im Dasein Bildner sind.

O Mensch,erfühle in deines Lebens ganzem Weben,Wie Luftgewalten dir im Dasein Pfleger sind.

O Mensch,erdenke in deines Fühlens ganzem Strömen,Wie Feuermächte dir im Dasein Helfer sind.

Zusammenfassend die Elemente der Erde:

O Mensch,erschaue dich in der Elemente Reich.

Liebe

O Mensch,so lasse walten in deiner Seele TiefenDer Wandelsterne weltenweisende Mächte.

Zusammenfassend die Bewegung der Wandelsterne:

O Mensch,erwese dich durch den Weltenkreis.

Frommsein

O Mensch,erhalte dir in deines Geistes SchaffenDer Ruhesterne himmelkündende Worte.

Zusammenfassend den Sinn der Ruhesterne:

O Mensch,erschaffe dich durch die Himmelsweisheit.

Hinweis zu 9.1

Die intime Übung – O Mensch, ertaste / erlebe / erfühle / erdenke

In vier Stufen ertastet, erlebt, erfühlt und erdenkt der Mensch, wie Erde, Wasser, Luft und Feuer ihm Stütze, Bildner, Pfleger und Helfer sind; erweitert zu Seele (Wandelsterne) und Geist (Ruhesterne).

Die große intime Übung der Neunten Stunde. Der ganze Leib wird wieder zum Sinnesorgan, zum Tastorgan. In vier Stufen: ertaste (Erde – ‹Stütze›), erlebe (Wasser – ‹Bildner›), erfühle (Luft – ‹Pfleger›), erdenke (Feuer – ‹Helfer›). Das Durchkraften geht vom Physischen ins Moralische über (Stütze → Bildner → Pfleger → Helfer/Kameraden). Erweitert wird die Übung auf die Seele (‹der Wandelsterne weltenweisende Mächte›) und den Geist (‹der Ruhesterne himmelkündende Worte›). Die drei Teile entsprechen Leben – Liebe – Frommsein.

  • Steiner knüpft an das Kind an, das fast ganz Sinnesorgan ist. Erst wenn das Kind sich auf die Füße stellt und in die Erdenkräfte hineinfällt, hört dieses intime Sinne-Sein auf. Die Übung führt es bewusst zurück.
  • Ein besonderes Geheimnis: Erde, Wasser, Luft lassen sich nur ertasten, erleben, erfühlen – die Wärme aber kann mit dem Gedanken erreicht werden. Senkt man den Gedanken in den eigenen Wärme-Organismus (Lunge, Leber, Herz), macht er die bloße Wärme zur Flamme; man ‹durchleuchtet› sich.
  • Die Übung steigert sich vom Leben (erster Teil) durch die Liebe (Seele/Wandelsterne) zum Frommsein (Geist/Ruhesterne) – einem wirklich religiösen Welterleben. Dann hört die Welt auf, physisch zu sein: ‹das Physische ist nur Schein, Maja›, und der Mensch ist jenseits der Schwelle. Die Neunte Stunde hat keine eigene Wandtafelzeichnung im Tafelband.

O Mensch, erschaue dich in der Elemente Reich.

GA 270a, Neunte Stunde (22.4.1924), S. 225
Varianten und Fassungen

In der Vierten Wiederholungsstunde (GA 270c, 13.9.1924) wird dieses Mantram wortgleich wiederholt und ausführlich gedeutet: die Element-Steigerung Stütze–Bildner–Pfleger–Helfer, die Verb-Steigerung ertaste–erlebe–erfühle–erdenke, und die Auseinanderlegung des Weltenworts in neun Strahlen über Leib (Elemente), Seele (Wandelsterne) und Geist (Ruhesterne). Von diesem neunstrahligen Mantram gibt es eine Berner Schlussvariante (GA 270c, 17.4.1924): die zusammenfassende Schlusszeile lautet dort ‹erschaffe dich durch des Himmels Hüter› bzw. ‹durch die Himmelshüter› statt ‹durch die Himmelsweisheit›. Die Notizen der Zweiten Londoner Stunde (27.8.1924) haben wieder die Form ‹durch die Himmelsweisheit›.

  • GA 270c, Vierte Wiederholungsstunde (13.9.1924) – die neun Strahlen – Wortgleich; der Hüter deutet die Steigerungen Stütze–Bildner–Pfleger–Helfer und ertaste–erlebe–erfühle–erdenke und legt das Weltenwort ‹O Mensch, erkenne dich selbst!› in neun Strahlen auseinander (Leib/Elemente, Seele/Wandelsterne, Geist/Ruhesterne).

    O Mensch, ertaste … erlebe … erfühle … erdenke … erschaue dich in der Elemente Reich. / O Mensch, so lasse walten … erwese dich durch den Weltenkreis. / O Mensch, erhalte dir … erschaffe dich durch die Himmelsweisheit.

    GA 270c, S. 79–88
  • GA 270c, Berner Stunde (17.4.1924) – Schlussvariante ‹des Himmels Hüter› – Die Element- und Sternenstrophen sind wortgleich zur App-Fassung; die zusammenfassende Schlusszeile lautet jedoch ‹O Mensch, erschaffe dich durch des Himmels Hüter› bzw. in der Schlusswiederholung ‹durch die Himmelshüter› – statt ‹durch die Himmelsweisheit› (App-Fassung der Neunten Stunde / Vierten Wiederholungsstunde).

    O Mensch, ertaste in deines Leibes ganzem Sein … O Mensch, erschaffe dich durch des Himmels Hüter. (Schlusswiederholung: ‹durch die Himmelshüter›)

    GA 270c, S. 222–227
Editorische Hinweise
  • In der Berner Stunde wurde gemäss Stenogramm an die Tafel ‹O Mensch, erschaffe dich durch des Himmels Hüter› geschrieben, sonst heisst es ‹die Himmelsweisheit›; bei der Schlusswiederholung der Berner Stunde wurde ‹die Himmelshüter› gesprochen.

    GA 270c, Hinweis zu S. 225
Neunte Stunde · Dornach · 1924-04-22 · GA 270a, S. 222–227 Wiederholung in Stunde —

Drei Teile entsprechen Leben – Liebe – Frommsein; Elemente hinter die Mantramsätze geschrieben (Erde/Wasser/Luft/Feuer).

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